Als Notlösung werden Spielgemeinschaften geschlossen. Die Fußballer des Groß Jamnoer SV Grün-Weiß gaben auf. Nun droht dem Verein das Aus.

Die einzigen Aktiven auf dem Rasen sind die Maulwürfe. Es ist still geworden auf dem Sportplatz "Am Urwald", 500 Meter hinter dem Ortsausgang Groß Jamno. Die Wände des Vereinsheims des SV Grün-Weiß schmücken Urkunden und Mannschaftsfotos. Erinnerungen an ein bewegtes Vereinsleben.

"Der Pachtvertrag läuft bis 2030. Erst vor wenigen Jahren haben wir angebaut und saniert. Alles ist da und einsatzbereit, nur keine Spieler", sagte der Vereinsvorsitzende Peter Noack. Der ehemalige Fußballtrainer bittet um Unterstützung. "Wir brauchen wieder eine Mannschaft, wäre doch schade, wenn das hier alles verrottet", mahnt er und weist auf den Sportplatz.

Seit der vergangenen Saison hat Groß Jamno keine Fußballmannschaft mehr. Am 28. Februar sah sich der Verein gezwungen, die zuletzt einzig verbliebene Männermannschaft vom laufenden Spielbetrieb zurückziehen. "Die Männer der Ersten haben aus familiären und beruflichen Gründen aufgehört, uns fehlt der Nachwuchs", so Noack.

Ein Rettungsversuch scheiterte: Für die Saison 2011/12 wurde eine Spielgemeinschaft mit den Fußballern des Schwarz-Weiß Keune gebildet. "Nach der Hälfte der Saison war Schluss, wir mussten die Mannschaft wegen Spielermangel mitten in der laufenden Saison auflösen", blickt der ehemalige Trainer enttäuscht zurück.

Die Folgen sind einschneidend für den gesamten Ort. Ohne Fußballmannschaft wird der Platz nicht genutzt, verwaist. Für den Verein bleiben Sponsoren und Eintrittsgelder aus. Auch die Cheerleader-Gruppe löste sich auf. "Ohne die Fußballspiele hatten die Mädchen keine Auftritte mehr", so die ehemalige Abteilungsleiterin Kerstin Zachow-Mujkic, deren Töchter das Cheerleader-Training leiteten.

"Wir haben deutlich weniger Umsätze ohne die Heimspiele", erklärt Vereinsvize Heinz Griebel. Rechnungen für Strom und Heizkosten müssen dennoch bezahlt werden.

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden zeigt er den 2008 fertiggestellten Anbau des Sportlerheims. In Sanitäranlagen und einen Warmwasseraufbereiter wurde investiert. "Duschen, Umkleide, die Bedingungen sind da", so Noack.

Im Mannschaftsraum hängen noch die alten Trainingspläne an der Wand. Ein Netz mit Bällen, eine Torwand, Leibchen und Kegel. Alles, was eine Mannschaft zum Fußballtraining braucht, ist vorhanden.

"Wir möchten wieder eine Mannschaft haben, egal ob das eine Alte Herren- oder eine Thekenmannschaft ist", wünscht sich Peter Noack.

Auf dem Sportplatz wächst das Unkraut, die Tore setzen Moos an. Ungenutzt wird die Anlage bald verkommen. "Wir wollen die Angelegenheit mit Leben füllen, nichts unversucht lassen, um das Vereinsleben aufrecht zu erhalten", setzt sich Noack für den 1950 gegründeten Verein ein. "2010 haben wir sechzigjähriges Jubiläum gefeiert, wenn es so weiter geht, ist hier bald Schluss."

Das Kernproblem der Misere ist längst in das öffentliche Bewusstsein gedrungen: Der demografische Wandel grassiert in der Region und schlägt sich zuerst im ländlichen Raum nieder. Über Nachwuchssorgen und dessen Folgen wird allerorts geklagt. Nicht nur bei den Vereinen. Der SV Grün-Weiß Groß Jamno ist da leider kein Einzelfall. Dessen ehemaligen Fußballern ist nicht zu verübeln, dass ihre Familien an erster Stelle stehen. Bravo. Vielleicht klappt es mit dem Nachwuchs.

Und vielleicht finden sich ja tatsächlich ältere Herren, Fußballerinnen oder andere sinnvolle Ideen, wie der Platz wiederbelebt werden könnte. Einfach bei der LR melden, wir helfen bei der Kontaktaufnahme. anjamaria.lehmann@lr-online.de.