Wer durch West fährt, erkennt schnell, welche Häuser zur WBG gehören. Helle, freundliche Fassaden, alle wärmegedämmt, neue Fenster und viele neue Balkone. Dazu sanierte Dächer, ein repräsentatives Umfeld mit Grün und Kinderspielplätzen. In den Jahren 1991 bis 1993 hat die Genossenschaft geklotzt. 41 Gebäude wurden vom Dach bis zum Keller saniert, 50 Baufirmen hatten satt zu tun. 15 Millionen Euro hat der Großvermieter ausgegeben, inzwischen alle Altschulden aus DDR-Zeiten getilgt und die Kreditverbindlichkeiten auf 9,8 Millionen Euro gedrückt. Die solide Strategie und Finanzpolitik hat sich ausgezahlt. Nicht Gewinn steht im Vordergrund, sondern Wohngefühl. Neben einem Puffer für Eventualitäten, der stets zurückgehalten wird, ist jeder Euro gleich wieder in die Modernisierung des Wohnungsbestandes gesteckt worden, erklärt die Chefetage. Das Ergebnis ist sichtbar: Die Mieter bleiben der Genossenschaft oft über viele Jahrzehnte treu.

Und dennoch macht Erfolg die Verantwortlichen um die Vorstände Monika Tillig und Ronald Riedel nicht blind. „Wir können vor der Bevölkerungsentwicklung nicht die Augen verschließen“, sagen sie. Elsterwerdas Bauamtsleiter Uwe Schaefer unterstreicht das beim gestrigen Besuch von Infrastrukturstaatssekretär Rainer Bretschneider: „Elsterwerda hat jetzt etwa 8600 Einwohner und wird 2030 vermutlich unter 7000 haben.“ Also Wohnungen abreißen?

In der Genossenschaft will man einen anderen Weg gehen und hat sich deshalb schon jetzt einen Finanzplan bis 2030 erarbeitet. Ziel: Mit weiter hohem Service, akzeptablen Mietpreisen und schnellem Reagieren auf Kundenwünsche den Wettstreit um die weniger werdenden Mieter gewinnen. Dabei sollen sich Menschen solange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohlfühlen. Bretschneider konnte sich in einer Wohnung in der Straße des Aufbaus davon überzeugen, wie das aussieht. Dort wurden Küche und Bad kurzerhand zu einem alters- und behindertengerechten Bad umgebaut – mit einzelner Badewanne für Gesundheitsbäder und einer Dusche. Alles ist mit dem Rollstuhl oder dem Rollator zu befahren beziehungsweise zu begehen. Die zartgrünen Fliesen versprühen Wohlfühlathmosphäre. „Sobald eine Wohnung im Erdgeschoss mit günstigem Zuschnitt frei wird, praktizieren wir diese Lösung“, so Monika Tillig. 15 Wohnungen sind auf diese Weise bereits umgebaut worden. Alle sind wieder neu vermietet. Dabei kostet es mitunter sogar Überzeugungskraft, Ältere von Vorzügen dieser neuen Wohnung zu überzeugen. Nach dem Motto „Alte Bäume verpflanzt man nicht“, würden viele an ihren Wohnungen hängen und sich mitunter dann doch unnötig Treppenstufen hinauf quälen.

Bretschneider sieht die Genossenschaft auf dem richtigen Weg und enthielt sich lieber eines Kommentars als es um Zusatzbelastungen wie sie die „Legionellenverordnung“ ab 1. November bringt, ging. Großvermieter müssen zusätzlich Abnahmestellen, an denen Keim-Messungen vorgenommen werden können, bauen. „Kostenpunkt für jede mehrere Hundert Euro“, so Riedel.