Ein kräftiger Zug an den verhüllenden Tüchern, und die schmucke Bautafel gibt frei, was unmittelbar an der Niemtscher Ortsdurchfahrt anstelle der verfallenen Gebäude entstehen soll. Investor Robby Dohnt aus Senftenberg wird einen Wohnstandort für zwölf Eigenheime erschließen. Die Parzellen sind bis zu 800 Quadratmeter groß. Durch den enormen Aufwand beim Beräumen des Geländes und wegen der Seenähe kostet der Quadratmeter 60 Euro.

Parzellen gefragt

Doch dieser Preis schreckt Interessenten nicht ab. „Wir haben jetzt schon mehr Bauwillige als Parzellen“, sagt der Geschäftsführer der ALB Dohnt GmbH. „Zwei Grundstücke sind bereits vergeben, vier reserviert.“ Ein Bauherr möchte noch in diesem Jahr die Bodenplatte seines Hauses schütten lassen.

Die Senftenberger Baufirma, die sich mit der Rekonstruktion und dem Neubau von Gebäuden beschäftigt sowie als Bauträger tätig ist, hat alle Hände voll zu tun. Rund 9000 Tonnen Bauschutt sollen bis Anfang Dezember weggeräumt und der Baugrund enttrümmert sein.

Die Archäologen haben jetzt schon ein Auge auf das Schlossgelände. Unterdessen vermuten die Niemtscher, dass die Gerüchte um den vermuteten Silberschatz bei den Tiefbauarbeiten endlich aufgelöst werden. Die Vermutung hält sich hartnäckig.

In diesem Zusammenhang meldet Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) augenzwinkernd Ansprüche an. „Die Hälfte will ich haben“, fordert er mit Blick auf die nicht ganz so gut gefüllte Stadtkasse.

Viel wichtiger sei ihm jedoch, dass der etwa 9000 Quadratmeter große Schandfleck etwas Neuem weicht. Dahinter stünden jahrelange Gespräche und zähe Verhandlungen. Denn nur ein Teil des einst herrschaftlichen Anwesens gehörte der Stadt. Das meiste Land war im Besitz eines Lauchhammeraners, der es nach der Wende erworben hatte. Die beiden Grundstücke seien jedoch so ineinander verschachtelt gewesen, dass nur das Zusammenlegen Sinn macht. Nachdem dies gelang, wurde das Areal in diesem Jahr mit einer Investitionsverpflichtung ausgeschrieben. „Ich bin froh, dass es ein Unternehmen aus der Stadt macht“, zeigt sich Bürgermeister Andreas Fred rich zufrieden.

Auch Ortsvorsteher Peter Koßlick ist erleichtert: „Ich bin heilfroh, dass ich hier am Jahresende einen völlig neuen Blick auf das Dorf haben werde.“ Der Schandfleck habe die Niemtscher in ihrem herausgeputzten Dorf seit vielen Jahren gewurmt.

Peter Koßlick freut sich aber auch auf bis zu 30 neue Einwohner. Das Dorf zähle derzeit ziemlich stabil rund 320 Seelen. Junge Leute seien immer willkommen. „Wir haben schon lange nicht mehr so viele Kinder gehabt wie heute“, freut er sich. Bis zum Schulalter sind es gegenwärtig 25 Mädchen und Jungen.

Weder Leerstand noch Baulücke In dem Seedorf stehe nicht ein einziges Haus leer. Es gebe auch keine Baulücke mehr. „Wir haben nicht einen Quadratmeter Bauland zu vergeben“, bedauert der Ortsvorsteher. Insofern sei die künftige Wohnanlage „Altes Schloss“ ein Segen. Auch die Stadt Senftenberg bemüht sich laut Bürgermeister permanent um die Erschließung von Einzelstandorten im Stadtgebiet.