Die Ausstellung des zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe gehörenden Museums zeigt einen Querschnitt vom einfachen Strohhut bis zur Kreation aus dem Modehaus Dior, von der Schiebermütze bis zum feinen Zylinder. Die Exponate sind in Kopfhöhe auf Stäbe gepflanzt und in verschiedenen Bereichen am Rande der Dauerausstellung des Museums in einer historischen Textilfabrik zu sehen.
"Ein Hut ist mehr als nur ein Kleidungsstück, er ist ein Zeichen", sagt Ausstellungsmacher Martin Schmidt. Ob Jugendliche ihre Baseball-Kappe verkehrt herum aufsetzen oder eine Dame nie unbehütet aus dem Hause geht - ein Hut gilt auch als Zeichen für die Zugehörigkeit zu einer Schicht, als Ausdruck von Protest oder einer politischen Haltung. Je nach wirtschaftlicher Lage sind die Stücke schlicht oder herausgeputzt. "Sobald es eine Krise gibt, sind sie aus Stroh und Filz, wenn es gut geht, kommen Federn dazu", erläutert Schmidt.
Bis in die 60er-Jahre hinein war die Kopfbedeckung ein fast unverzichtbares Kleidungsstück: "Nie oben ohne auf die Straße", hieß die Regel. Die Dame trug Hut und setzte das gute Stück oft nicht einmal im Café ab. Mit unerschöpflicher Fantasie haben sich Generationen von Frauen das Haupt geschmückt. Die Kappen sind mit Perlen bestickt, mit winzigen Federn belegt, aus duftigem Tüll gezaubert. Manche Hutkrempe biegt sich unter dem Schmuck. Dagegen sind Männerhüte von schlichter Natur.
Einige Hüte in der Schau haben tatsächlich eine Geschichte, und die wird auch erzählt. Die Ausgabe für den Hochzeitshut der Braut etwa war 1953 einem Paar aus dem Ruhrgebiet einen halben Monatslohn wert - das zarte, graue Stück sieht heute noch aus wie neu. Einen rosafarbenen Perlonhut mit breitem Schirm hat eine Leihgeberin auf einer Reise in Polen entdeckt und erstanden. Das auffällige Exponat wurde vermutlich nie getragen. Einen Ehrenplatz hat ein dunkler Samthut erhalten, der einst auf dem Kopf von Marilyn Monroe saß. Eine Sammlerin aus Duisburg hatte das wertvolle Stück 1999 aus dem Nachlass der Filmdiva ersteigert und zeigt es nun erstmals öffentlich.
Das Textilmuseum hatte für die Ausstellung zur Übergabe "alter Hüte" aufgefordert. Diese Bitte ist überreich erfüllt worden. "Wir hätten das Vielfache ausstellen können", berichtet Museumsleiter Hermann Josef Stenkamp. "Die Leute haben kofferweise Hüte gebracht". Die Schau macht auch Lust auf Hut. Für die Besucher hängt eine Auswahl von elf Exemplaren zum Aufprobieren an einer Garderobe.