Er kann sich nur mit Doping und allerlei sonstiger Täuschung an der Spitze der feinen Gesellschaft behaupten. In der Stuttgarter „Komödie am Marquardt“ erlebte er im neuen Stück des Erfinders der TV-Kommissare Schimanski und Bienzle, Felix Huby, seine Uraufführung . Dem Publikum schien die Übertragung des historischen Stoffes auf heutige und schwäbische Verhältnisse zu gefallen. Es belohnte das sechsköpfige Ensemble mit vielen Lachern, vereinzeltem Szenen- und einem wohlwollenden Abschlussapplaus zum Ende des 70-minütigen Stücks.

Zuvor wurde es Zeuge, wie Familienmutter Ute Niebele-Jung ein wenig einsam in ihrer Industriellenvilla mit braunem Ledersofa und Patriarchengemälde an der Wand im Stuttgarter Nobelviertel Killesberg sitzt. Das plötzlich erwachende Liebesleben ihrer Kinder Gunther und Kriemhild versetzt sie ins Staunen: Während Gunther sich in die Nachbarin Brünhilde Isländer verguckt, macht Kriemhild dem Tennisstar Siegfried schöne Augen. Grantelnd kommentiert wird das Ganze von Großonkel Hagen (mit vielen Lachern bedacht: Volksschauspieler Walter Schultheiß). Doch bevor Siegfried, der einzige Rheinländer in der Schwabentruppe, Gunther endgültig zur Traumfrau Brünhilde verhilft, muss er noch einige Hürden aus dem Weg räumen. Schließlich wird er doch noch so etwas wie ein Held.

Klassisches Mundarttheater also, das Erfolgsautor Felix Huby da zusammen mit Volker Jeck gewohnt liebevoll und routiniert zusammengeschrieben hat. Huby stellt erneut unter Beweis, dass er nicht nur für einen beträchtlichen Teil der TV-Kommissaren-Riege von Rosa Roth über Palu bis hin zum frisch ausgeschiedenen Hamburger Tatort-Kommissar Castorff verantwortlich zeichnet, sondern auch das Komödien-Genre beherrscht. Nach „Grüß Gott, Herr Minischter“ und „Selbst ischt d'r Mann“ ist aus den Killesberg-Nibelungen wieder eine Aufführung geworden, die den Nerv des Premierenpublikums getroffen zu haben scheint.

Der mittelalterliche Inhalt der Heldensage wird zwar vereinzelt in einigen Kalauern wie „Hast's wieder mit dem Magen, Hagen?“ verwurstet, aber insgesamt kommt der klassische Stoff nicht zu kurz. Neben den originalgetreu eifersüchtigen und teilweise intriganten Frauenfiguren zitiert vor allem Gunther immer wieder aus den Wagner-Opern zum „Ring“ und bekommt dafür meist Stirnrunzeln als Antwort: „Hör' auf mit dem ewigen Wagner.“

www.schauspielbuehnen.de