Es war das Symbolbild der schweren Ostsee-Sturmflut Anfang des Jahres: ein zerstörter Kiosk an der Steilküste des Seebades Zempin auf der Insel Usedom. In der Nacht zum 5. Januar hatten Wassermassen mit gewaltigen Kräften bei der schwersten Sturmflut seit mehr als zehn Jahren an der Ostseeküste genagt, Bäume entwurzelt, Strandzugänge und Treppen zerstört. Vom dem an der Abbruchkante stehenden Kiosk in Zempin blieb nur die Vorderfront mit Preistafel stehen, der weitaus größere Teil des Imbisses verschwand in jener Nacht in den Wellen der Ostsee.

Kioskbetreiberin Petra Hofmann schaute damals auf die Trümmer ihres Geschäfts - drei Monate später gibt es nun für sie einen ersten Lichtblick.

Mit einer Runde Bratwurst für geladene Gäste nahm Hofmann am Donnerstag einen mobilen Ersatzkiosk in Betrieb. Ein Akt mit Symbolkraft, soll er zu Ostern - dem traditionellen Saisonstart der Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern - doch dokumentieren, dass die gröbsten Sturmflut-Schäden beseitigt sind. Auch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), mit Förderzusicherungen über 5,6 Millionen Euro für die Insel Usedom im Gepäck, ließ sich die Bratwurst in Zempin schmecken. Kioskbetreiberin Hofmann freut sich, dass sie nach dem symbolischen Start am Donnerstag in der kommenden Woche wieder loslegen kann. "Man kann wieder verkaufen, man ist wieder richtig drin." Dennoch ist der am Promenadenplatz stehende mobile Kiosk, kleiner als der alte Imbiss, zunächst ein Provisorium. Die Speisekarte konzentriert sich in den nächsten zwei Monaten auf die Kerngerichte am Strand: Fischbrötchen, Bratwurst, Kuchen und Kaffee. Dann soll die kleine Verkaufsbude gegen eine größere getauscht sein, in der Hofmann auch wieder Fischsuppen und gebratenen Fisch anbieten möchte.

Die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns erlebt zu Ostern den ersten kräftigen Gästeansturm. Groß war die Sorge, dass die Auswirkungen der Sturmflut für den Gast dann noch spürbar sind. Doch die betroffenen Gemeinden hatten bereits unmittelbar nach dem Hochwasser angepackt. Allein am 13 Kilometer langen Strandabschnitt zwischen Zempin und Ückeritz wurden rund 3000 Tonnen angespülter Müll geborgen. Im Strandbereich von Zempin mussten rund 300 abgestürzte oder vom Absturz bedrohte Bäume entsorgt werden.

Mecklenburg-Vorpommern hatte nach der Flut einen bis zu 25 Millionen Euro schweren Hilfsfonds aufgelegt. Bislang sind 52 Förderanträge über 13,6 Millionen Euro beim Land eingegangen. Auch wenn die Strände aufgeräumt sind, sind noch nicht alle Schäden beseitigt. Strandtreppen und Wege, die bislang provisorisch hergerichtet wurden, müssen repariert werden.