Nach der tödlichen Prügelattacke gegen Jonny K. in Berlin soll der Prozess mit neuen Schöffen an diesem Donnerstag zum zweiten Mal beginnen. Wegen Befangenheit eines verärgerten Laienrichters war die bisherige Verhandlung am Berliner Landgericht geplatzt. Zu dem Neustart will das Gericht nach Angaben eines Gerichtssprechers vorsorglich auch zwei Ergänzungsschöffen bestellen.

Jonny K. war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 wie aus dem Nichts am Berliner Alexanderplatz niedergeschlagen und getreten worden. Der 20-Jährige ging zu Boden und starb wenig später an Hirnblutungen.

Die sechs Angeklagten im Alter von 19 bis 24 Jahren hatten im ersten Prozess Schläge oder Tritte zugegeben. Eine Verantwortung für den Tod des jungen Berliners bestritten sie aber. Ihnen werden Körperverletzung mit Todesfolge beziehungsweise gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Abfällige Äußerungen

Am Montag beschloss das Gericht, den Prozess wegen des Schöffen auszusetzen. Die Zeitung "B.Z." hatte ein Interview mit abfälligen Äußerungen des Schöffen über die Verteidiger veröffentlicht. Der 58-Jährige hatte zwar versichert, er habe kein Interview gegeben. Nach Angaben der Zeitung fand das Gespräch aber statt, auch eine entsprechende eidesstattliche Versicherung wurde abgegeben. Das Gericht sah bei unklarer Sachlage die Besorgnis der Befangenheit.

Im ersten Prozess hatte das Gericht keine Ersatzschöffen berufen. In der Regel werden Ergänzungsschöffen nach Angaben eines Gerichtssprechers nur bei langwierigen Prozessen benannt. Für den neuen Prozess sind zwölf Verhandlungstage bis zum 15. August angesetzt.

Drei Angeklagte wurden am Montag von der Untersuchungshaft verschont. Jetzt sitzen noch der 19-Jährige Onur U. und ein 24-Jähriger in U-Haft. Sie gelten als Hauptverdächtige und waren monatelang in der Türkei untergetaucht, bevor sie sich den deutschen Behörden stellten.

Zurückhaltung erwünscht

Schon in der Vorwoche hatte der Schöffe für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er einen Zeugen im Prozess nach dessen Erinnerungslücken fragte: "Sind Sie zu feige oder wollen Sie uns verarschen?" Die Verteidigung hatte daraufhin den Ausschluss des 58-Jährigen verlangt. Nach Angaben von Gerichtssprecher Tobias Kaehne dürfen sich Schöffen öffentlich äußern. Um das Risiko der Befangenheit zu vermeiden, sei aber äußerste Zurückhaltung erwünscht.