Dass die Speise genau neun Zutaten enthält, ist dagegen nur Wenigen bewusst. "Die Neun ist bei den Sorben/Wenden die Glückszahl", erklärte der Dissener Liedermacher, Poet und Volkskundler Bernd "Pittko" Pittkunings während seines Vortrages in Proschim. Warum dies so ist, könne er nicht mit Bestimmtheit sagen. "Vielleicht hängt es mit den neun Monaten der Schwangerschaft zusammen", vermutet Pittko. Diese würden bei der Jungfrau Maria schließlich genau am Heiligen Abend mit der Geburt des Jesuskindes zu Ende gehen.

Auch die Proschimer kamen beim Nachzählen auf neun Zutaten für ihren Kartoffelsalat. Allerdings unterschieden sich dabei manche Gewürze voneinander.

Ansonsten sei die Lausitz, wie Pittkunings erklärte, in der Weihnachtszeit eher an Bräuchen arm. Während in früheren Zeiten das Bescherkind am Mittwoch oder Donnerstag vor dem Fest durch die einzelnen Dörfer ging, werde dieser Brauch heute nur noch im Kirchspiel Schleife gepflegt. Dabei handelt es sich in der Regel um ein junges Mädchen aus der Spinnstube (Spinte), das im neuen Jahr heiraten werde. Die angehende Frau verkleidet sich, sogar das Gesicht wird verhüllt. Anschließend geht es im Ort von Haus zu Haus, streicht den Bewohnern mit einer kleinen Rute über die Wange und verteilt kleine Gaben an die Kinder.

Bernd Pittkunings erzählte, dass bis zum Zweiten Weltkrieg die Geschenke in den sorbischen/wendischen Dörfern erst am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages verteilt worden sind. "Der Heilige Abend verlief eher ruhig und vollkommen friedlich", so der Fachmann. Dieser Brauch war auch in der mittleren Lausitz bis Mitte des 20.Jahrhunderts weit verbreitet.

Selbst am Silvestertag herrschte bis vor 100Jahren in den Lausitzer Dörfern Stille. Erst im Zuge des Ersten Weltkrieges kamen die Raketen und die Böllerei auf. Erhalten habe sich dagegen zum Jahreswechsel der Brauch des Nowoletka. Noch heute werde in manchen Dörfern den Tieren in den Ställen am Neujahrstag das Salzgebäck gereicht. Dieses solle das Vieh vor Krankheiten schützen.

In den Tagen um Dreikönig (6.Januar) findet vielerorts in der Niederlausitz die sogenannte Woklapnica statt, eine Bürgerversammlung, bei der der Bürgermeister Rechenschaft über das alte Jahr ablegt und einen Ausblick auf die kommenden Monate gibt. "Eine gute Sache. So etwas müsste es in Proschim auch geben", waren sich Pittkunings Zuhörer einig.