Mit dem Start eines technisch hochgerüsteten Rovers will die Nasa am Samstag ein neues Kapitel in ihrer Marsforschung aufschlagen. Der Roboter auf Rädern heißt Curiosity, übersetzt Neugier, und die US-Weltraumbehörde hofft, dass er seinem Namen alle Ehre macht. Wenn er im August 2012 planmäßig auf dem Roten Planeten landet, soll er dort knapp zwei Jahre lang nach Spuren von organischen Materialien suchen, den Grundzutaten für Leben. Er soll messen, bohren, schaufeln, fotografieren und analysieren – und hat dazu alle möglichen technischen Finessen an Bord: von Röntgenaugen bis zum Lasergerät.

Aber erst einmal muss der Rover heil ankommen. Was schon beim Start danebengehen kann, hat unlängst Russland erfahren: Die Marsmond-Sonde Phobos-Grunt, die es wegen Triebwerksproblemen nicht aus dem Erdorbit schaffte und schon offiziell abgeschrieben war, gibt wieder Lebenszeichen von sich.

Die Nasa-Wissenschaftler fiebern nun dem für 16.02 Uhr MEZ in Cape Canaveral (Florida) geplanten Aufbruch entgegen. Geradezu ins Schwärmen geraten sie, wenn sie von Curiosity sprechen. „Es ist kein Rover, wie man ihn bisher kannte“, sagt Doug McCuistion, Direktor des Marsprogrammes der Nasa. Das rollende Forschungslabor sei das komplexeste von Menschenhand geschaffene Objekt, das jemals auf die Oberfläche eines anderen Planeten gebracht wurde.

Curiosity ist so groß wie ein Geländewagen und soll mit einer Atlas-Rakete auf den Weg geschossen werden. Setzt der rund 900 Kilo schwere Rover auf dem Mars auf, wird er nach Nasa-Angaben 570 Millionen Kilometer zurückgelegt haben.

Dabei fliegt Curiosity den Mars verbunden mit einem Raumfahrzeug an, das sich der Oberfläche zunächst mit einer Geschwindigkeit von 19 000 Stundenkilometern nähert. Dann bremst es mit Hilfe von Düsen und einem Fallschirm, und am Ende wird der Rover langsam an Seilen auf dem Marsboden abgesetzt – als würde er an einem Kranarm hängen. Die Nasa selbst spricht von einem riskanten Manöver, aber sie hatte keine andere Wahl. Für Luftkissen, wie sie bisher bei Landeaktionen für ein sanftes Aufsetzen verwendet wurden, ist der Rover einfach zu schwer.

Über den am besten geeigneten Landeplatz hat sich die Nasa nach eigenen Angaben lange den Kopf zerbrochen. Sie entschied sich schließlich für den Gale-Krater, einen Schlund mit 154 Kilometern Durchmesser, von dessen Boden ein Berg fast 5000 Meter hoch aufragt. Der Krater, benannt nach dem australischen Astronomen Walter Gale, bietet der Nasa zufolge gleich aus mehreren Gründen die besten Voraussetzungen für eine Mission mit reicher wissenschaftlicher Ausbeute. Gesteinsformationen und Sedimente am Grund deuteten darauf hin, dass es hier einmal Wasser gegeben habe. Das wiederum eröffne die Möglichkeit, dass sich tief unter der Oberfläche noch lebende Mikroben befänden. Vom Studium der fächerartigen Gesteinsschichten versprechen sich die Nasa-Wissenschaftler Einblicke in die lange Evolutionsgeschichte des Planeten.