Sicher hätte man dem einen oder anderen wunderbaren Film ein paar Zuschauer mehr gewünscht. Erst recht, weil es in durchweg allen Filmen des Programms ja vor allem um eines ging: um die Lausitz als eine einzigartige Region mit unterschiedlichen Kulturen, um ihre Geschichte, Gegenwart und Zukunft und um ihre Menschen.

Seit Jahrzehnten lockt dieser Landstrich auch Filmemacher an. Denn hier widerspiegeln sich exemplarisch für eine ganze Gesellschaft die Umbrüche, die Prozesse der Industrialisierung und De-Industrialisierung, die Zerstörung und Erschaffung neuer Landschaften so deutlich wie kaum irgendwo anders. Kurz: Es gibt inzwischen ein ganzes Arsenal an Filmen über die Region Lausitz. "Und wir wollen mit unserem Festival dies ins Bewusstsein rücken, es bewahren. Die Filmbilder und Erinnerungen sollen uns zugleich Anregung für eine Zukunftsdiskussion sein", sagt Grit Lemke, promovierte Kulturwissenschaftlerin und Mitorganisatorin der ersten Lausitziale. Die gebürtige Sprembergerin sagt auch klipp und klar: Den hohen Anspruch hat schon die erste Auflage des Spremberger HeimatFilmFestivals erfüllt, auch wenn die Publikumsresonanz noch nicht den Vorstellungen der Veranstalter entsprach. "Aber jene Zuschauer, die gekommen waren, sind berührt und begeistert aus den Vorstellungen gekommen, haben intensiv mitdiskutiert. Wir hatten herrliche Filmgespräche", so Grit Lemke. Eines davon auch mit dem Lausitzer Dokumentarfilmemacher Peter Rocha. Der 71-jährige Cottbuser hat am Sonnabend als erster Preisträger der Lausitziale diese Ehrung für sein Lebenswerk erhalten. Aus seinem Filmschaffen waren während des Festivals mehrere Dokumentarfilme zu sehen. Zu seinen bekanntesten Werken gehört die Lausitz-Trilogie mit dem lyrischen Kurzfilm "Hochwaldmärchen", der Dokumentation "Leben am Fließ" über eine sorbische Großfamilie im Spreewald und mit dem preisgekrönten kritischen Film "Die Schmerzen der Lausitz" über die Folgen der DDR-Braunkohlewirtschaft.

Die drei Filme entstanden zwischen 1987 und 1990 und beschreiben auf eine bisher unerreichte Weise den Umbau und die Zerstörung einer Landschaft. Und sie sind bis heute von großer Aktualität. Noch nie zuvor waren die Lausitzer Tagebaue wie von Rocha aus der Luft gefilmt worden - als riesige Löcher, in denen sorbische Siedlungsgebiete und Kultur verschwinden.

Peter Rocha nahm den ersten Lausitziale-Preis in Spremberg gerührt entgegen. Er gab dem Festival mit auf den Weg, was "ich in meinen Filmen auch immer umzusetzen versucht habe: Ein guter Dokumentarfilm muss mit Fakten die wichtigen und richtigen Fragen stellen, das Streitgespräch in Gang bringen, ohne selbst alle Antworten liefern zu wollen."

Rocha hat in seiner Filmsprache nie große Wortkommentare verwendet, sondern mit außergewöhnlichen Kamerabildern, Musik und hochsensiblen Gesprächspartnern gearbeitet.

"Es ist ein guter Beginn für die Lausitziale gewesen - und wir werden auf diesem Weg weitermachen", sagt Mitorganisator Holger Fahrland von der Altstadtsanierungsgesellschaft Spremberg. Träger des neuen HeimatFilmFestivals ist die Spremberger Projektgesellschaft Am Markt gewesen, finanziell unterstützt durch Sponsoren. Eine Neuauflage ist für 2014 geplant.