Vegane und vegetarische Lebensmittel vom Soja-Schnitzel bis zum Fruchtgummi ohne Schweinegelatine erobern die Regale in deutschen Supermärkten. Nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) haben sich die Umsätze mit Fleischersatzprodukten und pflanzlichen Brotaufstrichen in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt.

Das Fachblatt "Lebensmittel Praxis" spricht schon von einer "Veggie-Revolution": Vegetarisch-vegane Produkte seien "das neue Lieblingskind des Handels". Vorbei sind die Zeiten, in denen Vegetarier lange nach passenden Angeboten suchen mussten.

Jetzt wirbt Aldi Süd mit dem "Bio Veggie Grillsortiment" - fleischlosen Steaks und Bratwürsten. Edeka hat veganen Leberkäse aus Weizen und Soja-Filet-Steaks im Angebot. Und Deutschlands größte Drogeriemarktkette dm testet zurzeit in 54 Filialen den Verkauf von Produkten der veganen Supermarktkette Veganz.

Selbst große deutsche Wurst-Hersteller wie Wiesenhof, Meica und Rügenwalder sind auf den Trend eingeschwenkt und haben inzwischen auch vegetarische Alternativen zu den klassischen Wurstwaren im Angebot. Und das mit Erfolg. "Wir haben noch kein Produkt so aus der Hand gerissen bekommen wie unsere vegetarischen Schinken Spicker", sagt der für die Produktentwicklung zuständige Rügenwalder-Manager Godo Röben. Das Unternehmen will bis 2020 rund ein Drittel seines Umsatzes mit fleischfreien Artikeln erzielen.

Entscheidend für das kräftige Umsatzwachstum bei vegan-vegetarischen Produkten ist nach Einschätzung des GfK-Experten Wolfgang Adlwarth, dass sich die fleischlose Bewegung aus der Nische heraus in die Mitte der Gesellschaft ausdehnt. Auch immer mehr Verbraucher, die prinzipiell nichts gegen Fleisch hätten, reduzieren aus Tierschutz-, Umwelt- und Gesundheitsgründen ihren Fleischkonsum. Vor allem jüngere Konsumenten kaufen heute erheblich mehr Veggie-Produkte als noch vor einigen Jahren.

Trotz des aktuellen Rückenwindes ist es aber immer noch eine Minderheit, die bereit ist, völlig auf Fleisch zu verzichten. Der Vegetarierbund Deutschland (Vebu) geht von rund sieben Millionen Vegetariern und 1,2 Millionen Veganern in der Bundesrepublik aus. Das entspräche rund zehn Prozent der Bevölkerung.

Eine repräsentative Studie der Universitäten Göttingen und Hohenheim kam dagegen 2013 zu niedrigeren Zahlen. Demnach ernähren sich etwa 3,7 Prozent der Deutschen fleischlos. Mit 11,6 Prozent deutlich größer ist die Gruppe der Gelegenheitsvegetarier oder Flexitarier.