Cottbus. Großzügige helle Räume, 1000 Quadratmeter, verteilt auf drei Etagen. Seit Mai beherbergt der imposante Altbau in der Karl-Liebknecht-Straße eine Tagesklinik für Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen. Die Einrichtung ist ein Ableger der Asklepios Klinik in Lübben.

Chefarzt Dr. Tobias Hülsey: "Wir haben den Versorgungsauftrag für ganz Südbrandenburg. Seit Jahren haben uns Kollegen und Kindereinrichtungen aus Cottbus gebeten, uns stärker hier in der Stadt zu engagieren." Nachdem die Landesbettenkonferenz eine Tagesklinik mit 16 Betreuungsplätzen genehmigt hatte, konnte die Klinik im Mai ihren Betrieb aufnehmen. Stationsleiterin Katharina Harting: "Unsere Patienten sind zwischen fünf und 18 Jahre alt und bleiben in der Regel acht Wochen bei uns." Diese Zeit sei nötig, um erfolgreiche Strategien zu entwickeln und einzuüben, um Problemsituationen bewältigen zu können.

Es kommen Kinder und Jugendliche mit ADS oder ADHS, mit hyperkinetischen Störungen, Depressionen, Essstörungen oder Angstattacken. Auch Schulverweigerer und Mobbingopfer sind unter den Patienten.

Morgens um 7.30 Uhr kommen die jungen Patienten aus Cottbus und den umliegenden Gemeinden allein, von Eltern oder Fahrdienst gebracht. Ein Morgenkreis bietet Gelegenheit, Erlebnisse der vergangenen Nacht anzusprechen. Dann beginnen Einzel- und Gruppengespräche, Ergotherapie, Bewegungs- und Entspannungsübungen. Ärzte und Psychologen, Therapeuten, Schwestern und Erzieher stehen den Kindern zur Seite, um mit ihren Schwierigkeiten fertig zu werden. "Einige unserer Patienten sind echte Haudegen, die brauchen sehr intensive Betreuung", so Tobias Hülsey.

Viele junge Menschen in der Klinik leiden unter impulsiven Gefühlsausbrüchen. "Um ihnen zu helfen, arbeiten wir mit einem weltweit praktizierten Belohnungssystem", so der Arzt. Kind und Therapeut sprechen gemeinsam darüber, welche Verhaltensmuster durchbrochen werden müssen. Am Ende des Tages prüfen sie, wo die neuen Strategien erfolgreich erprobt wurden. Für jedes Innehalten, jede vermiedene Explosion gibt es einen Chip. "Und für eine bestimmte Anzahl Chips gibt es eine Belohnung", so Katharina Harting.

Damit die jungen Patienten Erfolge sehen, helfen ihnen die Therapeuten: Sobald ein Wutausbruch droht, halten sie eine große Stoppkarte hoch - ein wirksames Mittel. Aggressionen abbauen, ein gutes Körpergefühl entwickeln, beim Hausputz lernen, Konflikte auszuhalten - das Lernpensum in der Klinik ist enorm. Dennoch darf auch die Schule nicht zu kurz kommen. Katharina Harting: "Wir arbeiten mit den Lehrern der Bauhausschule und des Thiem-Klinikums zusammen, die unsere Kinder unterrichten." Auf deren Wunsch gibt es auch in den Ferien Unterricht. "Das hilft uns auch bei der Behandlung", so Tobias Hülsey. Denn viele Probleme treten gerade im schulischen Umfeld auf, das sich in den Klassenräumen der Klinik gut simulieren lässt.

Allerdings müssen nicht nur die Kinder lernen, auch die Eltern werden von den Therapeuten in die Pflicht genommen. "Da die Kinder auch während der Behandlung viel Zeit mit ihren Familien verbringen, können wir sehr eng mit den Eltern zusammenarbeiten." Wichtig sei es, klare Strukturen und Abläufe zu schaffen, in denen die Patienten Halt finden.

Wer aber ist überhaupt geeignet für eine teilstationäre Behandlung? Tobias Hülsey: "Wir können alle psychiatrischen Krankheitsbilder behandeln, solange es sich nicht um schwere Fälle handelt." Bei einigen Patienten sei auch der Abstand zur Familie wichtig, sodass eine stationäre Aufnahme in Lübben sinnvoll ist. Kinder- und Jugendpsychiater, aber auch Hausärzte, Lehrer oder Erzieher schicken die Familien zur klinikeigenen Institutsambulanz. Hier kann abgeklärt werden, welche Art der Behandlung notwendig ist.

Zum Thema:
Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ist Teil des Asklepios Fachklinikums Lübben und verfügt über 60 vollstationäre Behandlungsplätze in Lübben sowie über Tageskliniken in Königs Wusterhausen (zwölf Plätze) und in Cottbus (16 Plätze). Behandelt werden alle kinder- und jugendpsychiatrisch bedeutsamen Krankheitsbilder. Termine unter: ambulanz.cottbus.luebben@asklepios.com oder unter Telefon 0355 2886440.