Es hat etwas von Déjà-vu: Die Polizei stellt neue Erkenntnisse zum Fall Maddie vor. Wieder neue Hoffnung. Wieder Schlagzeilen von einem möglichen "Durchbruch". Wieder die Befürchtung, dass am Ende doch nichts herauskommt. Und wie immer gibt es Kritik und Verständnis für die Eltern und die Polizei.

Mehr als sechs Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Britin Madeleine McCann aus einer Ferienanlage in Portugal bewegt der Fall weiter Menschen in aller Welt. Jetzt gerät auch Deutschland in den Fokus, denn in dem Ferienort wimmelte es im Mai 2007 von deutschen Touristen. Die Eltern Kate and Gerry McCann treten am Mittwoch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY - ungelöst" auf.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob tatsächlich Bewegung in den Fall gekommen wäre. Für die am späten Montagabend ausgestrahlte BBC-Fernsehsendung "Crimewatch" wurde der Tag des Verschwindens von Maddie, die damals drei Jahre alt war, so detailliert wie nie zuvor rekonstruiert. Die Londoner Polizei Scotland Yard veröffentlichte mehrere Phantombilder und berichtet von neuen Erkenntnissen, die bereits bekannte Ereignisse in anderem Licht erscheinen lassen.

So gibt es neue Bilder von einem Mann, der am Abend des Geschehens gesehen worden sein soll, wie er ein kleines Kind zum Strand trug. Auch auf Einbrüche in der Luxus-Ferienanlage in den Wochen vor dem Urlaub der McCanns wurde ein genauer Blick geworfen. Und auf Spendensammler, die in der Nähe an Türen klopften. Mit all diesen Menschen würde die Polizei gerne sprechen.

Offen und deutlich sagen sie es nicht, aber eines schwingt dabei in Richtung der Ermittler in Portugal mit: Schaut her, wie wir das machen, wir können es besser! Die portugiesische Polizei hatte in dem Fall von Anfang an in der Kritik gestanden, 2008 wurden dort die Ermittlungen eingestellt. Nach jahrelangen Kampagnen der McCanns, die unter anderem auch Privatdetektive beschäftigten, begann Scotland Yard 2011 eine Untersuchung der Ermittlungen in Portugal. Sogar Premierminister David Cameron persönlich hatte sich dafür eingesetzt. Die Kosten: rund fünf Millionen Pfund (5,9 Millionen Euro).

Jetzt muss Scotland Yard - in den vergangenen Monaten immer wieder etwa wegen Korruption oder Ermittlungspannen nach dem Mord an einem Soldaten in London in der Kritik - sich beweisen. Ausgewertet wurden auch Mobilfunkdaten sowie Erkenntnisse der privaten Ermittler. "Unsere bisherige Arbeit hat den Zeitablauf und die anerkannte Version der Ereignisse, die bislang öffentlich bekannt waren, deutlich verändert", sagte Untersuchungschef Andy Redwood.

Für die Eltern kommt mit jedem neuen Aufflammen des Falls in den Medien auch die Kritik zurück. Einst waren sie in Portugal sogar selber unter Verdacht geraten. Von Anfang an wurde den beiden vorgeworfen, sie hätten Maddie und ihre beiden jüngeren Geschwister nie alleine in der Ferienwohnung lassen dürfen, um zum Abendessen zu gehen.