60 bis 80 neue Patenschaften werden jährlich beim Netzwerk angefragt, informiert Dr. Ragnhild Münch vom Klinikum Dahme-Spreewald – "und es könnten gerne doppelt so viele sein", ist sie von der Wirksamkeit des Begleitsystems überzeugt. Ältere, erfahrene Frauen und einige Männer werden nach intensiver Schulung jungen Familien oder alleinerziehenden Müttern an die Seite gestellt. Damit hätten diese einen Ansprechpartner, "der sich Zeit nimmt und kompetent berät, und zwar genau dann, wenn dies benötigt wird", erklärt die Sprecherin.

Rund 70 aktive Paten gebe es derzeit; zweimal jährlich werden über ausführliche Schulungen etwa acht bis 18 weitere zertifiziert. Doch das reicht bei weitem nicht aus, macht Netzwerk-Koordinatorin Michaela Steiner deutlich. "Wir brauchen dringend Nachschub", sagt sie.

Gemeinsam mit Birgit Kloas, die im Klinikum auch als Kinderkrankenschwester arbeitet, betreut und unterstützt sie die Paten. "Sie wünschen sich auch einen Austausch untereinander", so Steiner, dazu Hilfe in kritischen Situationen. "Was ist, wenn ich auf Ablehnung stoße oder auf Zustände, die mir unangenehm sind?", gibt sie Sorgen wieder. Steiner und Kloas beraten dazu, überlegen, welcher Pate zu welcher Familie passt.

Zwischen Paten, Familien und Ämtern habe sich inzwischen eine Partnerschaft auf Augenhöhe ausgebildet, führt Münch weiter aus. "Die Paten helfen, Ängste abzubauen, beispielsweise vor dem Jugendamt." Viele Familien würde dieses nur damit in Verbindung bringen, dass es ihnen die Kinder wegnehme. Dass das Amt viele nützliche Beratungs- und Betreuungsangebote mache, sei weniger bekannt und werde von den Paten auf hilfreiche Weise transportiert.

Die Angebote des Netzwerks reichen noch weiter. Für dieses Jahr sind erneut ein Drachenfest auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen und ein Zwergensommerfest im Teltow-Fläming-Kreis geplant, dazu in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Lehrveranstaltungen, wie Familien mit ihrem Einkommen auskommen können.

Landrat Stephan Loge (SPD) sichert Unterstützung des Landkreises zu. Das Netzwerk sei Teil der "Vorsorge und Fürsorge" für die Einwohner Dahme-Spreewalds. "Wir wollen ein familienfreundlicher Kreis sein", so Loge.

Ursprünglich gehörte zum Netzwerk auch der Norden des Nachbarkreises Oberspreewald-Lausitz bis hin zu Vetschau und Calau. Die dortige Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt gebe es so nicht mehr, sagt Münch auf Nachfrage von SPD-Kreistagsabgeordnetem Martin Wille. Betreut würden Paten jedoch über die Grenzen des LDS-Kreises hinaus. "Es gehört zum Selbstverständnis aller Netzwerke Gesunde Kinder", so Kinderarzt Dr. Torsten Karsch, "dass standortübergreifend betreut wird".

Zum Thema:
Die nächste Zertifizierungsrunde der Paten findet am 4. März um 17 Uhr in der Krankenpflegeschule ihren feierlichen Abschluss. Danach können sich Paten für die folgende Schulungsreihe anmelden. Im Klinikum Dahme-Spreewald sind die Netzwerkkoordinatorinnen Michaela Steiner und Birgit Kloas dienstags und donnerstags anzutreffen. Interessierte können sich unter der Rufnummer 03546 754614 nach weiteren Informationen erkundigen. Außerdem steht die gebührenfreie Rufnummer 0800 64546337 zur Verfügung.