Nicht einmal die Geräusche des Verkehrs auf dem benachbarten Stadtring dringen bis zu den ordentlich gepflegten Anlagen. Ein älteres Ehepaar schlendert den großzügig angelegten Gehweg entlang, ein paar Minuten später gesellen sich noch zwei Mütter mit ihren Kindern dazu. Doch auch sie werden in dem riesigen Areal kaum wahrgenommen. Der Kassierer nutzt die Ruhe, um vor seinem kleinen Holzhäuschen zu kehren. Dann widmet er sich wieder seinem Taschenbuch.

Ein paar Tage zuvor: Hunderte Cottbuser bevölkern zum Tag der Vereine die großzügig angelegte Parkfläche. Es wird gespielt, gesungen, getanzt und gelacht. „Der Spreeauenpark atmet und lebt heute, wie es immer sein sollte“, freut sich der SPD-Stadtverordnete Denis Kettlitz.

Ende des Dornröschenschlafs

„Der Park muss aus dem Dornröschenschlaf erwachen“, sagt Kettlitz nach diesen zwei Erlebnissen. Es müsse Leben hinein. Kettlitz denkt an Studenten, die Picknick machen. Senioren, die auf den Liegestühlen ein bisschen Sonne tanken. Kinder, die den Spielplatz bevölkern. Schüler, die den Tertiärwald erkunden. Doch dazu müssten die Tore geöffnet und das Eintrittsgeld abgeschafft werden, sagt der Stadtverordnete. Als Beispiel verweist Kettlitz auf den Mauerpark in Berlin. Dort habe sich ein Verein gegründet, der es geschafft habe, Leben in den Park zu holen. Ein Park für Menschen, nicht nur für Pflanzen und Tiere. Und schließlich zahle die Stadt jährlich 350 000 Euro an die Garten schaugesellschaft, die sich um die Ordnung kümmert. „Von diesem Geld sollen alle Cottbuser etwas haben“, sagt Kettlitz.

Große Bedenken hat hingegen Bernd Koch, Chef der Garten schaugesellschaft. „Die Umzäunung und der Euro Eintritt sind vor allem Vandalismusschutz“, erklärt Koch. Was in einem Park passiere, der diese Kontrollmechanismen nicht mehr habe, werde im benachbarten Eliaspark deutlich. „Dort haben wir erhebliche Vandalismusschäden“, betont er. Koch spricht von Verunreinigungen, Scherben, beschädigten Geräten auf dem Wasserspielplatz. Im Spreeauenpark seien die Schäden hingegen marginal. Der Park sei seinerzeit mit viel Geld hergerichtet worden. „Wir haben deshalb jetzt die Pflicht, diesen zu schützen“, sagt Koch. Aus seiner Sicht sei der Eintritt in Höhe von einem Euro auch kein Preis, der eine sozialpolitische Debatte rechtfertige.

Alte Rechnung liegt vor

Der jüngste Vorstoß sei auch nicht neu, sagt Koch. Schon im Jahr 2007 hatten die Stadtverordneten ein Szenario mit Wegfall des Eintrittsgeldes durchrechnen lassen. Neben den wegfallenden Einnahmen in Höhe von rund 12 000 Euro sei damals vor erheblichen Verlusten gewarnt worden, weil sich steuerrechtliche Belange ändern würden. An dieser Einschätzung habe sich nichts geändert, sagt Bernd Koch. Mit dem rund 35 Hektar großen Spreeauenpark sollte eine Brücke zwischen dem Fürst-Pückler-Park Branitz und den innerstädtischen Grünanlagen geschlagen werden. Alleen mit alten Eichen, von Wildstauden gesäumte Gräben und ein 1,2 Hektar großer Parkweiher laden zum Verweilen ein. Sehenswert sind der Apotheker- und Bauerngarten, der Rosengarten und Rhododendronhain. Der Tertiärwald, eine lebende Nachbildung eines Urwaldes der Braunkohlezeit mit fossilem Mammutstubben, Kohlemoor und Findlingsallee, ist in seiner Art einmalig in Europa. Im Jahr 2010 haben laut Gartenschaugesellschaft rund 17 000 Menschen den Spreeauenpark besucht. Nicht enthalten sind in dieser Zahl die großen Veranstaltungen wie Spreeauennacht, Tag der Vereine oder Pyrogames.