Bücher nach wahren Verbrechen sollen Lesern einen besonderen Schauer über den Rücken jagen. Es ist ja wirklich passiert. Das Buch von Kerstin Apel über einen Kindermord - bekannt geworden als "Kreuzworträtselmord" und einer der spektakulärsten Kriminalfälle der DDR - jagt ihr nun selbst die Staatsanwaltschaft auf die Fersen. Die 49-Jährige war als Jugendliche in Halle-Neustadt mit einem Mörder liiert. Die detaillierten Beschreibungen der Tat und vor allem ihrer Beteiligung in dem Buch ließen die Ermittler nun ein Mordermittlungsverfahren gegen Apel einleiten. Die Frage ist: Welche Rolle spielte sie tatsächlich bei dem Verbrechen? Den Ermittlern damals stellte sie es noch anders dar.

Es geht um den Mord an dem siebenjährigen Lars aus Halle im Januar 1981. In der Wohnung der heutigen Autorin brachte ihr 18-jähriger damaliger Freund den Jungen um, er hatte ihn zuvor auch missbraucht. In ihrem Buch "Der Kreuzworträtselmord: Die wahre Geschichte", das am 1. Februar im Sutton Verlag Erfurt erschien, beschreibt Apel detailliert, wie sie ihren Freund in der Wohnung trifft und Geräusche aus dem Bad hört.

Der junge Mann im Buch beichtet ihr seine Tat. Weil das Kind noch Zeichen von Leben zeigt, nimmt sich der Mann ein Messer und kommt zurück: "Du musst mir jetzt helfen, ohne dich schaffe ich es nicht." Gemeinsam stecken sie die Leiche in einen Plastiksack und verstauen sie zusammen mit Zeitungen in einem Reisekoffer. Auf der Bahnstrecke Halle-Leipzig werfen sie ihn aus dem Fenster. Soweit das Buch.

Im realen Leben hatte Apel den Behörden nicht berichtet, dass sie so dicht dran gewesen sei an dem Verbrechen. "Diese Widersprüche wollen wir nun aufklären", sagt Klaus Wiechmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle. Der Verdacht: Die heute 49-Jährige könnte an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein. Julia Ströbel, Lektoratsleiterin des Sutton Verlags, betont: "Die Geschichte ist reine Fiktion und kein Geständnis." Dem Buch ist auch der Hinweis vorangestellt, dass es sich um einen Roman handelt. Einige vorkommende Personen hätten tatsächlich gelebt, die Handlung basiere auf tatsächlichen Ereignissen, "ist im Übrigen aber frei erfunden." Auch Wiechmann zieht in Erwägung, dass sich Apel viel künstlerische Freiheit genommen hat. Schließlich hätten die Personen in dem Buch andere Namen. Hinzu kommt eine umfangreiche Rahmenhandlung.

Der Fall hatte in der DDR für großes Aufsehen gesorgt und wurde auch nach der Wende immer wieder aufgegriffen. Das lag auch an der langen und komplizierten Suche nach dem Mörder. Zeitungen, die in dem Koffer mit der Leiche steckten, enthielten ausgefüllte Kreuzworträtsel mit einer charakteristischen Schrift. Also wurden zig Wohnungsanträge, Autoanmeldungen und Personalausweisanträge durchforstet auf der Suche nach einer passenden Schriftprobe. Schließlich stießen Ermittler auf ähnliche Schriftstücke der Mutter der heutigen Autorin. Wenig später gestand der Freund ihrer Tochter die Tat.