Scheinbar ein ganz normaler Morgen: Büro-Arbeiter betreten ein Hochhaus in New York, durchqueren das Marmorfoyer und nehmen die Fahrstühle hoch zu ihren Schreibtischen. "Ein außergewöhnlicher Moment, der auf die allergewöhnlichste Art vorüberzog", schreibt die "New York Times" später über diesen Augenblick, denn der Wolkenkratzer ist ein ganz besonderer: das One World Trade Center.

Er ist nur wenige Schritte vom früheren Standort eines der beiden Türme entfernt. Jetzt sind endlich die ersten Mieter eingezogen, ganz ohne rotes Band oder Musik zur Eröffnung. Der Condé-Nast-Verlag zieht ein - dank "New Yorker", "Vogue" und "Vanity Fair" eines der prestigeträchtigsten Medienhäuser der USA - und belegt ein gutes Drittel der rund 280 000 Quadratmeter Bürofläche.

Mit rund 3,9 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro) Baukosten entstand ein Gebäude mit 104 Stockwerken, doppelt so teuer wie geplant und 1776 Fuß (541 Meter) hoch - eine Anspielung auf das Jahr der US-Unabhängigkeitserklärung. Die potenziellen Mieter überzeugt das wenig. Nur 60 Prozent der Fläche sind vermietet. Häufig war gemutmaßt worden, dass die Angst, an diesen Ort zu ziehen, zu groß sei - trotz extradickem Betonkern und einem 20 Stockwerke hohen Stahl-Fundament.