Weil er regelmäßig Tabletten nehmen muss, braucht er immer wieder ein Rezept. Und was ihn bei den Absagen besonders verwunderte: Nicht mal die Frage nach dem Privatpatienten wurde ihm gestellt. Ralf Herre, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, kennt das Problem. Wer in eine andere Stadt zieht, sollte rechtzeitig nach einem neuen Hausarzt suchen, rät er deshalb. "Und er sollte die Suche möglichst nicht an einem Montag und zur Grippezeit starten, wenn die Praxen ohnehin voll sind", so Herre.

Aber prinzipiell müsste jeder Versicherte in Cottbus einen Hausarzt finden. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass bei einem Verhältnis von rund 1450 Einwohnern je Hausarzt eine ausreichende und zweckmäßige Versorgung besteht. 71 Allgemeinmediziner würden nach der KV-Statistik dafür in Cottbus reichen. "Wir haben 73 Allgemeinmediziner in Cottbus. Und etwa gleich geblieben sei diese Zahl in den vergangenen Jahren auch - 2005 hatten wir in Cottbus 72 Hausärzte", sagt Ralf Herre.

Trotzdem ist es in den Wartezimmern derzeit voll - und sind die Patienten dort alle versorgt, eilen die Ärzte in der Mittagszeit oder am Abend zu den Hausbesuchen. Bis 22 Uhr kann ein Arbeitstag inzwischen dauern, bestätigten mehrere Cottbuser Allgemeinärzte. "Aber Notfälle werden trotzdem nicht weggeschickt", versichert Dr. Sabine Lerche. Diplom-Mediziner Jörg-Renée Espe hat in dieser Woche einem älteren Ehepaar zugesagt, dass sie ab Januar zu seinem Patientenstamm gehören. "Wir fragen vor einer Aufnahme aber immer, wo sie wohnen. Denn wir wollen schon besonders für die Cottbuser in unserem Umfeld da sein. Kommen sie zum Beispiel aus Sachsendorf, empfehle ich Kollegen, die dort ihre Praxen haben", sagt Espe. Nur bei den Studenten sei der Wohnort für ihn nicht so von Bedeutung. "Sie bleiben vier, fünf Jahre und sind in der Regel selten krank", so der Allgemeinarzt.

Die Entscheidung, ob er einen Patienten annimmt, obliege einzig und allein dem Arzt, bestätigt KV-Sprecher Ralf Herre. "Denn er trägt auch allein das Haftungsrisiko. Nur in Notfällen ist er verpflichtet, den Patienten zu versorgen", sagt Herre.

Für die Zukunft muss aber befürchtet werden, dass die Suche nach einem Hausarzt noch schwieriger wird. 20 der 73 Hausärzte in Cottbus sind 60 Jahre und älter. Das heißt, 27 Prozent der derzeitigen Hausärzte werden in den nächsten Monaten und Jahren in Rente gehen, sagt Ralf Herre. Und der Landkreis Spree-Neiße gilt mit einem Versorgungsgrad von 80,6 Prozent schon jetzt als Sorgenkind bei der hausärztlichen Versorgung im Land Brandenburg. "Für eine hundertprozentige Versorgung fehlen in Spree-Neiße derzeit 17 Hausärzte. Und 18 der 68 praktizierenden Hausärzte sind auch hier 60 Jahre und älter", sagt Ralf Herre. Hinzukomme, so Dr. Sabine Lerche, dass in den vergangenen fünf Jahren Hausarztpraxen an Internisten abgegeben wurden. Sie bieten zwar die allgemeinärztlichen Leistungen mit an - aber wegen ihrer Spezialisierung nicht in der Intensität wie eine reine Hausarztpraxis. Hausbesuche machen sie zum Beispiel nicht", so Sabine Lerche.

Längst müsste gegengesteuert werden. Die Kassenärztliche Vereinigung hat dafür ein ganzes Bündel von Vorschlägen. "Finanzielle und strukturelle Anreize müssen junge Hausärzte geben in die Region locken. Der Arztberuf muss wieder attraktiver werden. Im Medizinstudium muss die Allgemeinmedizin intensiver gelehrt werden", sagt Herre. Und für Mediziner, die ihren Facharztabschluss machen wollen, würden Weiterbildungsnetzwerke gebraucht, die wirklich funktionieren. Einige Cottbuser Ärzte empfehlen den Patienten zudem, sich von den Krankenkassen bei der Arztsuche helfen zu lassen.