Der Bau von Windkraftanlagen im Waldgebiet ist umstritten. In Großräschen und Döbern-Land wehrt sich eine Bürgerinitiative gegen entsprechende Pläne. Doch unterdessen reifen schon die nächsten Projekte in der Region.

Eines davon soll an der A 15 realisiert werden. In einem Waldstück südlich der Autobahn möchte das Unternehmen WSB aus Dresden einen Park mit bis zu zwölf Windrädern bauen. Fünf davon sollen unmittelbar an der Autobahn stehen – so wie wenige Kilometer weiter bei Groß Schacksdorf. Die restlichen Anlagen sollen diese Linie trichterförmig zwischen Sergen und Jethe ergänzen. Entsprechende Überlegungen präsentierte Torsten Anton, Geschäftsführer der WSB Projekt GmbH den Bürgern in Jethe.

Höher als in Schacksdorf

Sieben bis acht der Windräder sollen auf dem Gebiet der Gemeinde Wiesengrund stehen, der Rest auf Neuhausener Grund. Die Maschinen der derzeit noch in der Planung befindlichen Baureihe Nordex N 117 sollen bis zu etwa 200 Meter hoch werden. Der Rotordurchmesser beträgt rund 117 Meter. Damit sind die Maschinen noch größer als die im nächstgelegenen Windpark Groß Schacksdorf.

Die Planungen seien bisher nur vorläufig, versicherte Anton den Jethern: „Unsere Zielrichtung sind mindestens sechs Anlagen, zwölf sind der Maximalwert.“ Bei den Planungen habe man darauf geachtet, den Mindestabstand zu den Ortschaften von 1000 Metern einzuhalten. Dies trifft allerdings nicht für Streusiedlung und Einzelgehöfte zu. „Wir sind bei den Abständen nicht auf Krawall gebürstet, wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen“, versichert Anton. Dies muss er auch. Denn das Gebiet für seinen Windpark ist bisher nicht als solches ausgewiesen. „Die Flächen sind von der Regionalplanung nicht vorgesehen“, erläuterte Amtsdirektor Günter Quander (parteilos) den Jethern. Es sei bisher nur ein Plan.

Jether prinzipiell dafür

Um diesen Realität werden zu lassen, braucht WSB die Zustimmung der Gemeinden. Mit dieser will sich das Unternehmen dann an die Regionale Planungsgemeinschaft wenden, die am Donnerstag den Startschuss zur Erstellung des neuen Teilregionalplanes Windkraft gegeben hat (siehe unten). In der Regel sei es so, dass die Planungsgemeinschaft dem Konzept zustimme, wenn sich Investor und Gemeinden einig sind, so Anton.

Der Jether Ortsbeirat zumindest hat dem Plan grundsätzlich zugestimmt. „Es wird aber keine Entscheidung gegen die Bürger geben“, erklärt Ortsvorsteher Andreas Beckmann.

Beidseits der Autobahn?

Unter den Bürgern, die zur Präsentation der Windpark-Pläne gekommen waren, zeichnete sich eine grundsätzliche Zustimmung ab – zumindest für die Windräder, die unmittelbar an der Autobahn stehen sollen. Die andere hingegen, die näher an den Häusern liegen, sind vor allem die unmittelbar Betroffenen. Eine Grundstücksbesitzerin kündigte bereits an, nicht an WSB verkaufen zu wollen. Die Anwohner fürchten vor allem Lärm und Schattenwurf, auch wenn Anton versichert, dass diese Belastungen innerhalb der vorgegebenen Grenzwerte bleiben werden. Die Bürger regten an, lieber die restlichen Windräder nördlich der Autobahn aufzustellen, wo sie zwar ebenfalls im Wald stehen, aber weit weg vom nächsten Ort Dubrau. WSB sicherte zu, dies prüfen zu wollen.

Prinzipiell können sich die Jether aber vorstellen, einem Windpark zuzustimmen. Schließlich wären damit auch finanzielle Vorteile verbunden. Das Unternehmen will den Bürger einen Preis pro Kilowattstunde zahlen. Mittelfristig strebt WSB zudem an, den erzeugten Windstrom direkt an die Bürger zu vermarkten. Die könnten dann auf stabile Kosten für den Strom hoffen, der zudem noch klimafreundlich produziert wird. „Schacksdorf hat Dank des Windparks als Gemeinde Dinge angehen können, die ohne diese Einnahmen nicht möglich gewesen wären“, sagt Amtsdirektor Quander.

Zudem biete sich die Chance auf eine unabhängige Energieversorgung, was langfristig attraktive Möglichkeiten eröffnen würde. Allerdings stellte auch Quander klar, dass dies nur mir einer Akzeptanz der Bürger möglich wäre. „Der jetzt präsentieret Vorschlag ist kein Dogma.“

Nach den ersten Erkenntnissen aus der Beratung möchte die Dresdner Firma ihre Pläne nun überarbeiten und dann im kommenden Jahr erneut vortragen.

Ein Termin für den Bau des Parks im Spree-Neiße-Kreis ist noch nicht absehbar.