ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:23 Uhr

Nackt im Rathaus

Akt am Tagebau: Das Modell ist mit Lehm bedeckt. Die Aufnahme entstand in den 90er-Jahren. Fotos: Gerd Rattei
Akt am Tagebau: Das Modell ist mit Lehm bedeckt. Die Aufnahme entstand in den 90er-Jahren. Fotos: Gerd Rattei
Cottbus. Ein Tabubruch machte ihn einst bekannt. 1975 organisierte Gerd Rattei gemeinsam mit Klaus Ender die erste Akt-Ausstellung der DDR. Sie war so erfolgreich, dass sie später durch mehrere Städte tourte. Nun sind einige der Bilder im Cottbuser Rathaus zu sehen – und noch viel mehr. Von Peggy Kompalla

Unter dem Titel "Natur pur" zeigt Gerd Rattei eine Auswahl seiner Akt- und Landschaftsaufnahmen der vergangenen Jahrzehnte.

Denn seit 50 Jahren ist der Cottbuser mit seiner Kamera unterwegs. "Er prägte über viele Jahre die Fotografie in der Region mit", sagt Museumschef Steffen Krestin. Sein 75. Geburtstag ist Anlass, auf sein Lebenswerk zu blicken.

Dabei lehnt der Fotograf selbst einen allzu tiefschürfenden Anspruch an seine Arbeit ab. "Ich war zwar im Künstlerverband, aber ich komme aus der Gebrauchsgrafik", wiegelt er ab. "Ich habe Prospekte und Plakate gemacht." Dabei gibt er sich viel zu bescheiden. Und es ist demnach seiner Intuition zuzuschreiben, dass er solch außerordentlichen Momentaufnahmen macht. Aber eben auch das ist Kunst .

Das beweist sich insbesondere bei den Akten. Gerd Ratteis Porträts zeigen selbstbewusste und selbstbestimmte Frauen. Er lässt ihnen ihren Freiraum, von Voyeurismus gibt es keine Spur. "Die Modelle bringen sich immer selbst ein", erzählt er. Er muss den richtigen Moment, die richtige Bewegung abpassen und auslösen. Die Interpretation überlässt er dem Betrachter.

Dabei bezaubern insbesondere die frühen Aufnahmen - es ist diese unverfängliche Leichtigkeit und Natürlichkeit, die auch die Fotografie eines Klaus Ender prägen. "Wir haben damals genauso inszeniert wie heute", sagt Gerd Rattei ganz unsentimental. "Aber wir haben das naiver gemacht." Die Gesellschaft hat sich verändert. Das ist auch in den Aktaufnahmen ablesbar.

"Früher wäre keine Frau auf die Idee gekommen, mit Stöckelschuhen anzukommen", erzählt er. Aber auch der Fotograf lässt sich auf Experimente ein. So wird die blanke Haut bemalt oder von Lehm bedeckt, Requisiten tauchen auf.

Trotzdem sind die Akte am bestechendsten, in denen die natürliche Pracht inmitten der Natur zu sehen ist. Dabei zeigt sich auch Gerd Ratteis Blick für Landschaften. Die Ausstellung spannt den Bogen zwischen Akt und Landschaft - wie dereinst die Schau vor 36 Jahren.

Zum Thema:

Hintergrund"Natur pur" ist bis zum 2. August im ersten Obergeschoss des Rathauses zu sehen. Demnächst erscheint im Regia-Verlag der Katalog "Dabei gewesen! Gerd Rattei 50 Jahre mit der Fotokamera". Auf unserer Termine Seite finden Sie weitere Veranstaltungen im Cottbuser Rathaus.