Ein Wechsel direkt aus der Regierungspolitik zum Verfassungsgericht könne dessen Ansehen eventuell beeinträchtigen, fügte sie als Begründung hinzu. Sie wolle im Amt bleiben und "gern auch über 2009 hinaus" ihr Bundestagsmandat wahrnehmen.
Zypries reagierte damit auf Spekulationen der "Bild"-Zeitung, die erfahren haben wollte, dass schon ihre Nachfolge ausgemacht sei. Olaf Scholz, derzeit parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, solle für sie ins Ministeramt rücken. Daraus wird wohl nun nichts, ebenso nicht aus der von der Zeitung angekündigten "ersten Kabinettsumbildung" der Regierung Merkel.
Zypries Dementi darf vor allem wegen der Begründung als bestandskräftig eingestuft werden. Hinter diese Aussagen kann sie auch im Herbst nicht mehr zurück, wenn konkret nach einem Nachfolger des Präsidenten des zweiten Senats in Karlsruhe, Winfried Hassemer, gesucht wird. Er scheidet Ende Februar 2008 altersbedingt aus. Die Erklärung gelte auch in drei, sechs und zehn Monaten, schob die Sprecherin von Zypries nach.
Der 53-jährigen Ministerin waren Ambitionen auf den Posten auch deshalb nachgesagt worden, weil sie ihre juristische Karriere einst als wissenschaftliche Referentin beim Bundesverfassungsgericht begann und sie ein Faible für juristische Grundsatzfragen hat. Zudem wird der Präsident des zweiten Senats, um den es geht, turnusmäßig im Jahr 2010 Präsident des Bundesverfassungsgerichts, eines der höchsten Staatsämter, was die Stelle noch reizvoller macht. In der SPD hatten selbst hochrangige Experten bis gestern fest mit Ambitionen von Zypries gerechnet. Dass sie dementiere, überrasche nicht, hieß es in diesen Kreisen. So etwas könne man erst bestätigen, wenn es spruchreif sei. Allerdings erstaune ihre klare Begründung.
Unter den SPD-Mitgliedern des Richterwahlausschusses des Bundestages, in dem die Hassemer-Nachfolge entschieden wird, wurde über die anstehende Personalie bisher offiziell noch nicht gesprochen. In SPD-Kreisen hieß es, gesucht werde vorrangig nach einer Frau mit hohem juristischem Sachverstand und politischem Gespür. Neben Zypries gebe es aber noch mehrere Alternativen, so unter anderem unter den amtierenden Verfassungsrichterinnen oder bei den SPD-Justizministerinnen in den Ländern. Die SPD hat beim zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts zwar das Vorschlagsrecht für die Position des Präsidenten, doch muss eine Mehrheit im Richterwahlausschuss des Bundestages errungen werden, was Absprachen mit der Union und anderen Parteien erfordert.