Schulz übernahm damit die Verantwortung für das Brasiliendebakel, das das Essener Traditionsunternehmen erschüttert. Der unter seiner Ägide beschlossene Bau eines Stahlwerks in Brasilien entwickelte sich für ThyssenKrupp wegen einer gigantischen Kostenexplosion und massiver Probleme beim Hochfahren der Anlage zum Milliardengrab. Im September abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 musste der Konzern deshalb einen Verlust von fast 1,8 Milliarden Euro ausweisen.

„Ich bin mir zwar keiner beruflichen Fehler bewusst, aber in dieser Situation bereit, die Verantwortung zu übernehmen“, erklärte Schulz. Es entspricht wohl dem geradlinigen Charakter des „Eisernen Ekki“, dass er sich nicht lange bitten ließ und nach fast 40 Jahren, in denen er dem Unternehmen die Treue hielt, ThyssenKrupp nun auch noch diesen Dienst erwies. So wie er 2006 seine Pläne für den Ruhestand auf Bitten von Firmenpatriarch Berthold Beitz aufschob und weit über die übliche Pensionsgrenze hinaus an der Spitze des Stahlkonzerns ausharrte.

Doch ist es ein tiefer Fall für Schulz. Der Sohn eines Bankdirektors aus Westpreußen hatte nach dem Studium des Eisenhüttenwesens zunächst bei Thyssen eine steile Karriere gemacht, dann eine Schlüsselrolle bei der Fusion der Rivalen Thyssen und Krupp gespielt und das neue Gemeinschaftsunternehmen von 1989 bis Anfang 2011 geleitet.

Doch seit der neue Konzernchef Heinrich Hiesinger in Essen das Ruder übernommen hat, geraten auch die Versäumnisse der Ära Schulz ins Blickfeld. Eine „neue Ehrlichkeit“ sei bei ThyssenKrupp eingezogen, heißt es. Unübersehbar ist, dass der promovierte Hütteningenieur Schulz seinem Nachfolger einen Konzern hinterlassen hat, der mehr vom konjunkturanfälligen Stahlgeschäft abhängig ist, als ihm guttut .