Ein Meer von Kerzen steht auf dem Gehweg vor dem Erzbischöflichen Palast in Krakau. Es herrscht Stille. Einige Hundert Menschen stehen dichtgedrängt beieinander, manche haben Tränen in den Augen. Am Fenster über den Torbogen im ersten Stock hängt ein erleuchtetes Porträt von Papst Johannes Paul II., dem ehemaligen Erzbischof von Krakau.

Es ist der Abend seines elften Todestags, wenige Minuten vor 21:38 Uhr, der offiziellen Todeszeit. Sein früherer Privatsekretär, der heutige Erzbischof, Kardinal Stanislaw Dziwisz, tritt vor das Tor, betet mit den Menschen. Lieder werden gesungen. In der Menge umarmt der 18-jährige Kamil seine Freundin, die 17-jährige Jagoda, ganz fest. Sie hat Blumen mitgebracht. "Der Heilige Johannes Paul II. ist wie ein Vater für mich", sagt Jagoda. "Er ist ein großes Vorbild."

Die Erinnerung an den vor wenigen Jahren heiliggesprochenen Papst ist in Krakau allgegenwärtig - nicht nur an seinem Todestag, am 2. März. Vor den Kirchen stehen Statuen, in den Gotteshäusern hängt sein Porträt. In den Souvenirgeschäften gibt es einen kleinen Papst aus Plastik.

Ob dieses Schicksal demnächst auch Papst Franziskus blüht? Der Argentinier ist der Ehrengast, wenn vom 26. bis 31. Juli unter dem Motto "Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden" der einst von Johannes Paul II. ins Leben gerufene Weltjugendtag in Krakau stattfindet. Mehrere Millionen Jugendliche aus der ganzen Welt werden dann zu einer großen Pilgerfahrt in der polnischen Großstadt erwartet.

Auch Kamil und Jagoda werden natürlich daran teilnehmen. "Wir freuen uns schon auf den Papst", sagt Jagoda. Heilige Messen, Katechesen, eine unter freiem Himmel abgehaltene Nachtwache mit Franziskus und natürlich die Erinnerung an den Heiligen Johannes Paul II. stehen auf dem Programm des Treffens. Zudem will Franziskus die KZ-Gedenkstätte von Auschwitz und den Marienwallfahrtsort Tschenstochau besuchen.

Noch wirkt in Krakau vieles provisorisch, vieles ist noch nicht im Detail geplant. Und es erscheint schwer vorstellbar, dass die Infrastruktur der rund 750 000 Einwohner zählenden Stadt auf einmal das Drei- oder Vierfache an Gästen bewältigen könnte. Doch die Organisatoren sind hoffnungsvoll, dass der logistische Kraftakt gelingen wird.

"Der Papst möchte durch die Jugendlichen zu den Menschen in der Welt kommen", sagt Kardinal Dziwisz in seinem Empfangszimmer, das natürlich von einem monumentalen Ölgemälde Johannes Pauls geschmückt wird. Er hoffe, dass die Jugendlichen durch das Treffen stärker motiviert werden, sich für ihren Glauben zu engagieren. Vom Weltjugendtag solle ein Signal des Friedens und der Barmherzigkeit in die Welt gehen - denn Krakau ist nicht nur die Stadt Johannes Pauls II., hier lebte auch die ebenfalls heiliggesprochene Ordensschwester Maria Faustyna Kowalska. Ihr ist angeblich Jesus Christus erschienen, um ihr aufzutragen, die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes in alle Welt zu verbreiten.

"Jesus sagte zu Schwester Faustina, die Welt werde keinen Frieden haben, wenn die Menschen nicht um Barmherzigkeit bitten werden", sagt Dziwisz. "Und gerade heute braucht die Welt Sicherheit und Frieden."

Doch wie politisch kann ein solches Treffen im heutigen Polen eigentlich werden? Auf die explizit gestellte Frage, was "Barmherzigkeit" denn in der aktuellen Flüchtlingskrise bedeute, schlägt sich der Kardinal ganz auf die Linie der neuen, konservativen polnischen Regierung.

"Als Christen sollten wir den Flüchtlingen helfen, aber aufpassen, wo diese Hilfe geleistet wird", erklärt der Kardinal. Polen habe gut eine Million Menschen aus der Ukraine aufgenommen. "Sie können sich gut integrieren, weil sie Christen sind."

Und auch den Umgang der neuen Regierung mit der Verfassung und den Grundrechten mag er nicht kritisieren. "In einer Demokratie ist es so: Wenn eine Partei gewinnt, dann regiert sie", sagt Dziwisz. "Man muss auch verlieren können und in der Opposition arbeiten."