Insbesondere eine Passage erregte damals die Gemüter, in der Ragnitz vorschlug, die Region solle sich "um Industrien bemühen, die sonst keiner haben will - beispielsweise Schweinemast- oder Müllverbrennungsanlagen". Insgesamt zeichnete der Wirtschaftsforscher ein düsteres Bild von einer sich leerenden Region mit schlechten Zukunftsperspektiven.

Einer, dem diese Darstellung sauer aufstieß, ist Stephan Meyer. Der CDU-Landtagsabgeordnete aus Zittau engagiert sich im "Bündnis Zukunft Oberlausitz", das sich bemüht, genau jene Entwicklung zu vermeiden, die Ragnitz heraufbeschworen hatte. "Wir sind der Meinung, dass die Oberlausitz durchaus Chancen auf eine positive Zukunft hat", betont Meyer. Aussagen wie von Ragnitz seien geeignet, Zukunftsängste zu schüren und den Trend zur Abwanderung noch weiter anzuheizen.

"Dies ist natürlich keineswegs meine Absicht", erklärt der Dresdener Professor heute. Überhaupt, so Ragnitz, wundere er sich über die Reaktionen, die seine Aussagen hervorgerufen haben: "Schließlich sind die Rahmenbedingungen bekannt und kein Geheimnis: Die Bevölkerung wird bis 2025 um 20 Prozent schrumpfen, auch danach hält dieser Trend an. Diese Entwicklung sorge dafür, dass Räume sich leeren - "eine Entwicklung, die man keineswegs nur negativ betrachten muss". In Verbindung mit landschaftlicher Attraktivität könne dies beispielsweise völlig neuartige Chancen für den Tourismus, aber auch für "alternative Lebensentwürfe"" bieten. Als gescheitert - und daran hält er fest - sieht er jedoch das Konzept von den "gleichwertigen Lebensverhältnissen" an.

Dass innovative Lösungen benötigt werden, darin stimmt Stephan Meyer mit dem Dresdener Professor überein. Auch er sieht im "Abrücken von Standards" kein Tabu, will aber ausdrücklich gerade die Schulbildung nicht zur experimentellen "Spielwiese" machen.

Letzten Endes sind sich alle Beteiligten an der Diskussion einig, dass man nicht "auf Hilfe von außen warten" dürfe. "Unsere Region muss auf ihre durchaus vorhandene eigene Innovationsfähigkeit setzen", so Stephan Meyer. Netzwerke und eine gute Infrastruktur seien entscheidend und müssten vorangebracht werden.

Und auch Ragnitz wünscht dabei viel Glück - "schließlich können Prognosen auch falsch sein. Es kann viel besser kommen; es kann allerdings auch noch schlechter kommen."