Die Musikauswahl bei den Wahlkampfauftakten von CDU und SPD in Nordrhein-Westfalen gerät symbolträchtig. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zieht unter den Klängen von "Don't stop!" (Hör nicht auf!) mit seiner Ehefrau Angelika in die Arena Oberhausen ein. Der Fleetwod-Mac-Hit war die Erfolgsmelodie von US-Präsident Bill Clinton. Für Rüttgers ist eine zweite Amtszeit das Ziel. Die SPD lässt in Düsseldorf für ihre Spitzenkandidatin Hannelore Kraft den Fankurven-Klassiker "You'll never walk alone" (Du gehst nie allein) in einer Version der Punk-Matadoren "Die Toten Hosen" auflegen. Gemeinsam können wir es schaffen, soll das heißen. Vier Wochen vor der Landtagswahl haben sich Rüttgers und Kraft am Samstag bemüht, ihre Anhänger auf Wahlkampftemperatur zu bringen. Die CDU hatte sich dafür Oberhausen ausgesucht, wo ihr Landesvorsitzender vor fünf Jahren zum Wahlsieg aufgebrochen war. Jürgen Rüttgers weiß, dass er es heute schwerer hat. "Wir werden die Wahl dieses Mal aus eigener Kraft gewinnen müssen", ruft er seinen etwa 6000 Anhängern in der Halle zu. 2005 habe der CDU dagegen der Bundestrend geholfen. Die CDU muss um die Macht bangen. Denn in Umfragen hat die regierende schwarz-gelbe Koalition seit Wochen keine Mehrheit mehr. Rüttgers kämpft gegen manche Verzagtheit an. Sein "Bauchgefühl" sage ihm "Wir schaffen das", macht er der Parteibasis Mut. Zur Unterhaltung hat die CDU den Swing-Sänger Roger Cicero aufgeboten. Die Rüttgers-Partei gibt sich cool und lässig. Den roten Faden des Parteitags gibt ein Video-Clip kurz vor dem Auftritt des Regierungschefs vor. Darin erwacht ein CDU-Wähler aus einem Albtraum mit Bildern von SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft und Linkspartei-Kommunistin Sarah Wagenknecht. Rüttgers fasst das in die Worte: "Rot-Rot ist eine Gefahr für unser Land." Seine größte Sorge: Die Wähler könnten ihn für ihren Unmut über Schwarz-Gelb im Bund abstrafen. "Diese Landtagswahl ist keine Zwischenbilanz in Berlin", mahnt er. Genau dazu will die SPD die Landtagswahl aber machen. Kraft kündigt an, dass sie im Falle eines Wahlsieges zentrale Projekte von Union und FDP über den Bundesrat zu Fall bringen werde. Die SPD hat in Düsseldorf 3500 Genossen zusammengetrommelt, bei denen Partystimmung aufkommt. Beschallt von Schlagzeug-Percussion und der Berliner Hip-Hop-Band "Culcha Candela" hält es auch die Herausforderin nicht mehr auf dem Stuhl. Neben ihr wippen und klatschen SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Die SPD, nah am jugendmusikalischen Zeitgeist. Schließlich nimmt Kraft die Initiative von Rüttgers zur Rettung des Volkslieds aufs Korn. Dessen Lieblingsvolkslied sei ja bekanntlich "Nehmt Abschied, Brüder", ruft Kraft unter dem Gelächter der Zuhörer. Dann zitiert sie genüsslich die nächste Zeile: "Ungewiss ist alle Wiederkehr." Da hält es keinen Genossen mehr auf dem Stuhl.