| 02:39 Uhr

Zwischen Traurigkeit und Enthusiasmus

Hände weg vom Lenkrad – autonomes und automatisiertes Fahren wird derzeit auf Teststrecken, aber auch schon im realen Straßenverkehr wie hier auf der Autobahn A 81 in Baden-Württemberg getestet.
Hände weg vom Lenkrad – autonomes und automatisiertes Fahren wird derzeit auf Teststrecken, aber auch schon im realen Straßenverkehr wie hier auf der Autobahn A 81 in Baden-Württemberg getestet. FOTO: dpa
Senftenberg. Während Motorsportsfans den Verlust der Rennstrecke bedauern, sehen Wissenschaftler große Chancen in der Neuausrichtung. René Wappler

Einen großen Anteil ihres Umsatzes verdanken die Inhaber der Senftenberger Pension "Mandy" den Motorradtouristen, die den Lausitzring besuchen. "Wir haben sehr von der Rennstrecke profitiert", sagt Frank Vogel, dessen Frau die Pension führt. "Zu den Veranstaltungen kamen immer Leute, die nicht nur eine Nacht in unserer Region blieben, sondern sich länger hier aufhielten."

Doch das grundsätzliche Profil des Lausitzrings wird sich "massiv ändern": Davon geht der geschäftsführende Gesellschafter Josef Meier aus. "Veranstaltungen wie bisher finden wohl nicht mehr statt", sagt er. "Den klassischen Rennbetrieb wird es so auch nicht mehr geben." Für ihn steckt in dieser Nachricht "ein Punkt der Traurigkeit".

Das Ende der klassischen Autorennen auf dem Lausitzring wäre ein "herber Verlust für die Hotels und Gaststätten um Senftenberg herum": So urteilt der Hauptgeschäftsführer des Brandenburger Branchenverbandes Dehoga , Olaf Lücke. "Ich zweifle daran, dass eine reine Teststrecke der Dekra so stark auf die Tourismusbranche in der Region ausstrahlen würde, wie es bisher geschehen ist."

Allerdings galten die Großveranstaltungen stets als ein hohes finanzielles Risiko, wie die Geschäftsleitung des Lausitzrings mitteilt. Vor allem in den ersten Jahren habe der Betreiber hohe sechsstellige Defizite hingenommen. "In der Region kamen diese Großveranstaltungen jedoch wirtschaftlich immer gut an und sorgten für volle Hotels, Restaurants und Freude der regionalen Unternehmer", erläutert die Geschäftsleitung. Aufgrund steigender Zuschauerzahlen und Erlöse sowie einer "bodenständigen Betriebsführung" sei es gelungen, den Großteil der Verluste wieder auszugleichen.

Die hohen Investitionen hätten jedoch keine nennenswerten Rücklagen ermöglicht. Nach 17 Jahren fielen nun für den Lausitzring Sanierungen und Modernisierungen an, die einen zweistelligen Millionenbetrag erfordern. Die Übergabe an die Dekra solle den langfristigen Betrieb des Lausitzrings sichern.

Mit welchen Herstellern die Dekra bei den Tests zum automatisierten Fahren auf dem Lausitzring zusammenarbeiten will, dazu äußert sich Wolfgang Siegloch von der Pressestelle der Prüfgesellschaft momentan nicht näher. Er sagt: "Wir wollen ein Partner für die Industrie in Bezug auf Tests und Entwicklung sein."

Ein Wissenschaftler aus Cottbus reagiert mit Enthusiasmus auf die Pläne der Dekra. Professor Alexander Kölpin von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) erforscht bereits Radarverfahren, die ohne direkte Berührung den Herzschlag von Autofahrern messen. Sie sollen künftig dazu beitragen, den Gesundheitszustand von Personen zu erkennen, die am Steuer sitzen - um im Ernstfall selbst die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Alexander Kölpin sagt: "Das automatisierte Fahren ist das große Zukunftsthema, und deshalb glaube ich, dass eine solche Teststrecke auf dem Lausitzring neue Arbeitsplätze in unsere Region bringen wird." Nach seinen Worten existieren in Deutschland nur wenige Strecken, auf denen sich die Szenarien des autonomen Fahrens untersuchen lassen.

Allerdings überwiegt mit Blick auf das automatisierte Fahren noch die Skepsis bei deutschen Konsumenten: 61 Prozent könnten sich derzeit nicht vorstellen, selbst ein solches Auto zu benutzen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung vom Januar dieses Jahres hervor. Ihr Titel lautet: "Automatisiertes Fahren: Aktuelle Einstellungen in Deutschland". Die Teilnehmer schätzen im Durchschnitt, dass es noch immerhin 18 Jahre dauern wird, bis sich Autos ohne Einfluss eines Fahrers vollkommen sicher im Straßenverkehr bewegen.