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Zwischen Straßenstaub und Kinderlachen

Viva Perú: Anja Hummel (l.) und Maria Pech reisen zum zweiten Mal nach Südamerika, um ein außergewöhnliches Projekt zu unterstützen.
Viva Perú: Anja Hummel (l.) und Maria Pech reisen zum zweiten Mal nach Südamerika, um ein außergewöhnliches Projekt zu unterstützen. FOTO: Anja Hummel
Cottbus/Huanchaco. Rundschau-Volontärin Anja Hummel macht sich auf eine private Reise nach Peru. Dort will sie gemeinsam mit einer Freundin den Aufbau einer Schule für arme Kinder unterstützen. Auf einem Online-Blog kann jeder an ihren Erlebnissen am anderen Ende der Welt teilhaben. Anja Hummel

Der kleine peruanische Ort an der Pazifikküste wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich ungewöhnlich. Die Wellen ziehen die Surfer an, die Live-Musik entlang der Strandpromenade die nach Abenteuer suchenden Rucksack-Touristen. Sie kommen mittlerweile aus aller Welt nach Huanchaco. Einige ziehen nach kurzem Zwischenstopp weiter, andere bleiben für längere Zeit im Ort. So wie ich vor vier Jahren, als mich das Schicksal in den Anfängen einer Südamerika-Reise an dieses Fleckchen Erde verschlug.

Unterwegs mit einer Freundin, fanden wir damals ziemlich schnell heraus: Während unten am Sandstrand Tag für Tag das quirlige süße Leben tobt, eröffnet sich oberhalb Huanchacos, keine zehn Tuk-Tuk-Minuten entfernt von den unzähligen Surfschulen und Restaurants, eine ganz andere Welt.

Eine Welt, in der sich Bungalows mit Wellblechdächern und Fenstern aus Gitterstäben grau an grau entlang löchriger, staubiger Schotterstraßen aneinanderreihen. Wo es weder fließend Wasser noch durchgängige Stromversorgung gibt. Und wo eine Schwedin vor gut vier Jahren ein großartiges Projekt ins Leben gerufen hat: eine Schule für die Kinder eben dieses Armenviertels von Huanchaco, die den Namen "Milagro School" trägt.

Damals waren meine Freundin Maria und ich dabei, als die ersten bunten Bilder an die tristen Mauern der neuen Bildungsstätte gehängt wurden und die Kinder zwischen Staub und Schotter ihre ersten Englischvokabeln lernten. Als freiwillige Helferinnen durften wir vier Wochen mit den Kids arbeiten, ihr Wissen fördern und ihnen mit den einfachsten Gesten ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Eine unbeschreibliche Zeit, aus der ein Herzenswunsch in uns erwachsen ist: Zurückkehren, die Kinder wiedersehen, das Schulprojekt erneut unterstützen.

Und jetzt ist es endlich so weit. In wenigen Tagen hebt der Flieger gen Südamerika ab. Dann heißt es raus aus der Routine, hinein ins große Abenteuer. Unsere Mission: Wir werden vor Ort mit anpacken, wo es nötig ist und ein tolles Kreativ-Projekt mit den Kids durchführen. Weil es der Schule aber noch an allen Ecken und Enden an Ausstattung fehlt, möchten wir auch Spendengelder für die Kids und ihre Familien einsammeln. Noch während wir im September selber an Ort und Stelle sind, wird das Geld nachhaltig in die Bildung der Kinder investiert. Dafür werden wir höchstpersönlich sorgen. Gerade weil die gemeinnützige Organisation rund um die "Milagro School" (siehe Infobox) vergleichsweise klein ist, können wir gemeinsam mit den Kindern bestimmen, was mit dem Geld passiert. Ihre grenzenlose Dankbarkeit ist der unbezahlbare Lohn für den Einsatz.

Während meine Freundin Maria und ich in diesen Tagen die zweimonatige Reise planen, so langsam den Rucksack packen und die letzten Absprachen treffen, kommen immer wieder alte Erinnerungen hoch. Erinnerungen an die strahlenden Augen der Kleinsten, an erste Begegnungen ohne jegliche Skepsis, an warmherzige Umarmungen und die Fähigkeit zur Freude über die scheinbar kleinsten Dinge der Welt. Freundschaftsarmbänder flechten, ein warmes Mittagessen, der gemeinsame Besuch am Strand.

"Den Kindern geht es nicht um materielle Sachen. Sie sind herzlich und fröhlich, obwohl sie viel weniger haben als wir", sagt meine Reisebegleitung Maria. Die immerwährend strahlenden Kinderaugen und die selbstverständliche Bereitschaft, alles zu teilen - obwohl die Lebensumstände ein anderes Verhalten vermuten lassen - haben auch mich zutiefst beeindruckt. Warum die Kinder keine Freundschaftsarmbänder tragen? Weil sie sie sofort weiterverschenken.

Bei unserem ersten Besuch haben wir gemeinsam mit den Kindern ein buntes Mosaikbild an die grauen Mauern gebracht. Damals war auch der kleine Jamie mit dabei. Er hat die "Milagro School"-Gründerin Coco wohl erst auf ihre Mission "geschickt". Weil sie den schwerkranken Jungen und dessen Familie mit vollem Herzen unterstützte, bemerkte sie, dass auch die anderen Kinder im Viertel dringend Zuwendung von außen brauchen. "Wir möchten Frauen und Kinder durch Bildung und Selbstliebe stark machen und eine nachhaltige Gemeinschaft kreieren", beschreibt Coco Rim Amad die Vision ihrer gemeinnützigen Arbeit in Huanchaco. Der kleine Jamie hat den Kampf gegen eine schwere Stoffwechselerkrankung im vergangenen Jahr verloren. Noch ein Grund mehr für Coco, ihre Vision von einem Bildungszentrum für ´Frauen und Kinder mit all ihrer Energie weiter voranzutreiben. Tag für Tag wird die Mutter einer kleinen Tochter dabei von freiwilligen Helfern aus aller Welt unterstützt.

Auch Maria und ich möchten erneut Teil dieser Vision sein und etwas bewegen - vor Ort in Huanchaco, aber auch hier in der Heimat. Wir möchten nicht nur unser eigenes Bewusstsein für die Privilegien, die wir in unseren Breitengraden genießen dürfen, schärfen, sondern auch das der anderen. Jeder ist eingeladen, an unseren Erlebnissen am anderen Ende der Welt teilzuhaben. Denn es lohnt sich immer, einmal mehr hinzuschauen, über den Tellerrand zu blicken und selber aktiv zu werden. Nur so konnten wir vor vier Jahren erkennen, das Huanchaco eben nicht nur ein kleines Surfer-Paradies ist. Nur so durften wir die grenzenlose Offenheit der Kinder kennenlernen, die einen so viel mehr lehrt, als es das bloße Touristendasein in fremden Orten je könnte.

Wer die Reiseerlebnisse verfolgen und das Projekt gerne unterstützen möchte, kann online dabei sein auf www.lr-online.de/suedamerika

Zum Thema:
Die "Milagro School" ist ein Teilprojekt der Organisation "Malayeka Charity". Gegründet wurde diese im Jahr 2012 von der Schwedin Coco Rim Amad. Damit unterstützen sie und die Mitglieder die Gemeinde Cerrito de la Virgen in Huanchaco, Peru. Schwerpunkt der Arbeit ist es, vor allem den Frauen und deren Kindern einen Zugang zu Bildung zu verschaffen, die Gemeinschaft zu stärken und Selbstliebe zu fördern. Freiwillige Helfer, auch Volunteers genannt, sind immer willkommen. Mehr Informationen über die gemeinnützige Organisation gibt es im Internet unter www.malayekacharity.org.