Mit einem Transparent und Flugblättern stehen Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace vor der Tür. In dem kleinen Versammlungsraum in Lieske (Oberspreewald-Lausitz) drängen sich etwa 50 Menschen. Doch nur die Hälfte davon sind Liesker. Die anderen kommen aus dem von Abbaggerung bedrohten benachbarten Welzower Ortsteil Proschim.

Der Amtsdirektor von Altdöbern, Detlef Höhl (SPD) hatte die Einwohnerversammlung angeregt, um den 87 Bewohnern von Lieske Gelegenheit zu geben, sich zu informieren. Denn nach einem Kurzgutachten des von Greenpeace beauftragten Geologen Dr.Ralf E. Krupp wäre ihr Dorf von Rutschung bedroht, wenn der Tagebau Welzow-Süd Teilfeld II genehmigt würde. Für den läuft das Planverfahren.

Würde der Tagebau genehmigt, bliebe Lieske auf einer schmalen Landbrücke von etwa 700 Metern Breite zwischen Grube und Sedlitzer See stehen. Im Erdreich soll eine rund 100 Meter tiefe Dichtwand den Grundwasserfluss Richtung Grube aufhalten.

Der Greenpeace-Gutachter Krupp warnt nun davor, dass diese Wand unterspült werden oder brechen könnte und eine Flutwelle den Ort hinwegreißen könnte. Anfang September hatte Krupp das in Lieske erläutert.

Jetzt sitzt er im Publikum, als der Leiter der für Bergbau zuständigen Abteilung der Landesplanung, Klaus-Otto Weymanns verspricht: "Wir werden das Abbaufeld nur genehmigen, wenn nachgewiesen wird, dass Lieske sicher ist." Auch Ingolf Arnold, Chefgeologe des Bergbauunternehmens Vattenfall legt sich fest: "Wir können Ihnen versprechen, dass Ihnen durch die Dichtwand nichts passieren wird."

Doch das wollen viele nicht hören. Die Diskussion der Versammelten zeigt, dass Sicherheit nicht das eigentliche Thema ist. "Es geht nicht nur darum, ob wir in die Grube rutschen, es geht auch um Lärm und Staub", beklagt Christiane Glaser. Und ein Einwohner des Nachbardorfes Proschim bringt es noch deutlicher auf den Punkt: "Wir wollen den Tagebau nicht."

Ein kurzer Schlagabtausch zwischen Arnold und Krupp bleibt deshalb an diesem Abend eher ein Randereignis. Der Vattenfall-Geologe verweist auf Jahrzehnte geotechnischer und geologischer Erfahrung im Lausitzer Revier und 40 Jahre Dichtwandbau. Krupp wirft ihm Verschleierung und Verwirrung vor. Noch vor Jahresende soll das Brandenburger Landesbergamt mit einem Gutachten für Klarheit sorgen.