| 11:46 Uhr

Zwischen Schock und Hoffnung in Peru

Wundervolles Wiedersehen: Coco, ihr Mann Gonzalo und Töchterchen Kenza haben Maria Pech und Anja Hummel mit offenen Armen in Huanchaco empfangen.
Wundervolles Wiedersehen: Coco, ihr Mann Gonzalo und Töchterchen Kenza haben Maria Pech und Anja Hummel mit offenen Armen in Huanchaco empfangen. FOTO: Anja Hummel
Cottbus/Huanchaco. RUNDSCHAU-Redakteurin Anja Hummel ist inzwischen wohlbehalten mit ihrer Freundin im peruanischen Huanchaco angekommen, um am weiteren Aufbau einer Schule für arme Kinder mitzuhelfen. Doch nach der Ankunft erlebten sie ein Wechselbad der Gefühle – die Schule war nicht mehr da. Frank Hilbert

Insgesamt 31 Stunden waren die beiden vom Start in der Lausitz bis zur Ankunft am Flughafen in Lima unterwegs. Bereits vor vier Jahren hatten sie dort erstmals an diesem bemerkenswerten Projekt der Schwedin Coco Rim Amad mitgearbeitet. Lesen Sie, was Anja darüber in ihrem RUNDSCHAU-Reiseblog unter anderem berichtet:

Als Coco mit ihrer kleinen süßen Tochter Kenza um die Ecke des Hostels gebogen kommt, bleibt uns kurz das Herz stehen. Wir haben unsere 20-Kilo-Rucksäcke noch aufgeschultert und schauen uns mit großen Augen an. Coco stürmt mit ausgebreiteten Armen auf uns zu und ruft mit hoher Stimme "holaaaa amigaaaaas". Wir sind überwältigt, können es kaum glauben, fühlen uns unvorbereitet, obwohl alles genauso geplant war.

Wir sind angekommen - in Huanchaco. Die Begrüßung nach unserer Rückkehr nach vier Jahren könnte kaum herzlicher sein. Es gibt unendlich viel zu bereden mit Coco, die vor fast fünf Jahren die Milagro School gründete und mittlerweile selber Mama einer zweieinhalbjährigen Tochter ist. Sie erzählt uns von Jessica, Ruth, José, Walter und den anderen Kids, die noch immer Teil der Milagro-School-Familie sind und unser Gedächtnis nie verlassen haben. Mit ihnen werden wir in den nächsten Wochen viel Spaß haben, wir werden ihnen etwas beibringen und sie werden uns viel lehren. Nun sind wir dabei, gemeinsam mit Coco konkrete Pläne zu schmieden.

Denn leider hat sie nicht nur gute Nachrichten parat. Die Milagro School, wie wir sie vor vier Jahren mit aufgebaut und kennengelernt haben, gibt es nicht mehr. Diesen Schock müssen wir erst einmal verdauen.

Was passiert ist? Der Eigentümer des Schulareales wollte das Grundstück endgültig an Coco verkaufen - für 80 000 Dollar! Eine absurde Summe für ein 500 Quadratmeter großes Gelände inmitten von unbefestigten Straßen, ohne Strom- und Wasseranschluss, zwischen Geröll- und Sandhügeln.

Weil Coco aus ethischen Gründen dem geldgierigen Peruaner nicht klein bei geben wollte und konnte, musste sie die mit viel Liebe und Eifer aufgezogene Schule aufgeben. Natürlich nicht ohne vorher einen neuen Platz für die Kinder zu finden. Denn die gute Nachricht bei all der Tragik: Sie hat einen anderen und, wie Coco sagt, noch viel schöneren Ort für die Milagro School unweit vom alten Areal entfernt gefunden. Dort muss sie mit den Kids aber wieder bei Null anfangen.

Eine tragische Situation, die uns ziemlich stark an die Zeit vor vier Jahren erinnert. So wie damals stehen wir heute wieder vor den Anfängen der Milagro School- ohne Schulbank und Tafel, aber dafür mit unzähligen ehrgeizigen an die Tür klopfenden Kindern.

Die Schwedin und Gründerin der Milagro School zeigt den beiden deutschen Frauen wenige Tage später das neue Schulgelände in Cerrito de la Virgin, Huanchaco - und erklärt, warum sie die alte Schule aufgeben musste und wie das neue Zentrum für Liebe und Bildung in Zukunft aussehen soll. Bis es soweit ist, muss noch viel Zeit und Geld in die Milagro School gesteckt werden.

Nachdem wir das neue Grundstück der Milagro School gesehen haben und sich der Schock ein wenig gelegt hat, gab es am nächsten Tag gleich ein Treffen mit Coco und Miguel. Miguel ist so eine Art "Bauleiter" der Milagro School und hat schon das alte Grundstück handwerklich betreut. Auf jeden Fall haben wir gemeinsam Pläne geschmiedet, was mit den Spenden passieren soll: Bevor die Kinder überhaupt unterrichtet werden können, muss erst einmal eine Basis geschaffen werden. Das Gelände muss stabile Mauern bekommen und genau das möchten wir finanzieren. Bitte helft uns dabei!

Per 17. September betrug der Spendenstand 906 Euro. Wer das Projekt unterstützen möchte, findet alle Informationen dazu sowie viele Fotos und weitere Berichte unter

www.lr-online.de/suedamerika  .