Das Ergebnis war mäßig, aber Reinhard Bütikofer wirkte trotzdem erleichtert. Mit knapp 72 Prozent der Stimmen wurde er für weitere zwei Jahre im Chefsessel der Grünen bestätigt. Beim letzten Mal waren es über 85 Prozent. Für die Co-Vorsitzende, Claudia Roth, kam es noch schlimmer. "Ja, ich nehme die Wahl an und werde mich anstrengen", sagte sie hörbar angeschlagen. Lediglich 66,5 Prozent der Delegierten hatten für sie votiert, elf Prozent weniger als beim letzten Mal.

Streit um neues Logo
"Hier ist so eine Stimmung, ihr da oben, wir da unten", suchten Delegierte das magere Abschneiden ihrer Führung zu erklären. Tatsächlich wurde diese Kluft schon zum Auftakt des grünen Parteitages auf dem Kölner Messegelände deutlich. Eigentlich wollte die Führung feierlich ein neues Partei-Logo enthüllen. Aber durch Indiskretionen gelangte das Motiv bereits vorher an die Öffentlichkeit. Prompt fühlte sich die Basis überfahren und bürstete die Führung ab. Aus einer vermeintlichen Nebensächlichkeit wurde ein leidenschaftlich geführter Grundsatzkonflikt über innerparteiliche Demokratie. "Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt", klagte eine Delegierte. "Wir wollen, dass die Basis beteiligt wird", forderte ein anderer.
Als es schließlich zur Abstimmung kam, war die Niederlage für den Vorstand offensichtlich. Da ergriff Bütikofer die Flucht nach vorn. Die für jedermann sichtbare Mehrheit gegen das neue Logo interpretierte er als "knappe Mehrheit" dafür, was aber trotzdem kein gutes Zeichen sei. Deshalb werde der Antrag zurückgezogen. Aktivisten der "Grünen Jugend" wollten daraufhin das geltende Logo auf der Bühne anbringen, wurden aber von Bütikofer barsch zurückgewiesen: "Das macht ihr jetzt nicht!"

Parteispitze ohne Profil
Die Unzufriedenheit der grünen Basis mit ihren Führungspersonen fußt freilich nicht nur auf dem Logo-Streit. Auch ein Jahr nach dem Gang in die Opposition und dem Rückzug von Parteiübervater Joschka Fischer ist niemand in Sicht, der die Personal-Lücke wirklich füllen könnte. Weder Roth und Bütikofer noch die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Fritz Kuhn haben es geschafft, den Grünen ein klares Profil zu verleihen. Ein Delegierter fragte deshalb spitz, ob man neben einem neuen Logo "vielleicht auch neue Politiker" brauche.
Bei Claudia Roth kam noch erschwerend hinzu, dass sich der linke Parteiflügel in der Umweltdebatte von ihr im Stich gelassen fühlte. Unter dem Motto "Für einen radikalen Realismus" will die Partei ihre Meinungsführerschaft bei der Ökologiepolitik bewahren. "Wir müssen klar machen, dass wir das Original sind und die anderen die Kopie", erklärte der grüne Umweltexperte Reinhard Loske unter dem Beifall der Delegierten. Wie radikal es dabei zugehen darf, war aber in Köln umstritten. Das Lager der Linken um den Energiepolitiker Hans-Josef Fell scheiterte nach einer spannenden Diskussion mit dem Vorstoß, alle Neuinvestitionen in der Stromerzeugung nur noch auf erneuerbare Energien zu konzentrieren. "Es geht auch um Energieeinsparung und -effizienz", konterten andere. Deshalb müsse für einen Übergangzeitraum auch in fossile Energietr&au ml;ger wie etwa Gas investiert werden. Weitere Forderungen im Leitantrag wie die nach einem Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen oder dem Verbot von Stand-by-Schaltungen bei Radios und Fernsehern wurden derweil von allen grünen Strömungen befürwortet.