„Das Geld für den Eissport muss kommen.“„Die GmbH hat kein Anrecht auf das Geld.“
 Dieter Krein, Chef des Füchse-BeiratesOberbürgermeister
Hartwig Rauh


Als am Freitag beim Heimspiel der Lausitzer Füchse gegen Essen die Stadionuhr ihren Geist aufgab, sah so mancher Zuschauer in dieser Randepisode einen gewissen Symbolcharakter. Die Uhr konnte relativ schnell wieder in Gang gesetzt werden. Ob dies auch für die Zukunft des traditionsreichen Eissports gilt, ist jedoch fraglich. Denn wieder einmal sind die Kassen im Fuchsbau leer. Als letzter Strohhalm gilt eine Sponsoringrate in Höhe von 116 550 Euro durch die Stadtwerke Weißwasser.
Steht dieses Geld den Füchsen zu? Diese Frage ist umstritten. „Das Geld muss kommen, sonst droht das Ende des Eissports in Weißwasser“ , sagt Dieter Krein als Chef des Füchse-Beirates. „Die Profi-Spielbetriebs-GmbH hat kein Anrecht auf das Geld und kann es deshalb nicht wie selbstverständlich in den Haushalt einplanen“ , hält Oberbürgermeister Rauh dagegen (die RUNDSCHAU berichtete).
Ausgangspunkt der Kontroverse ist der Teilverkauf der Stadtwerke Weißwasser an das französische Unternehmen Veolia Environement. In dem Konsortialvertrag vom 30. Dezember 2002 ist in Paragraf 9 festgelegt, dass sich Veolia und die Stadtwerke verpflichten, „beginnend mit dem Jahr 2003 über einen Zeitraum von zehn Jahren jährlich einen Betrag von insgesamt 260 000 Euro für sportliche und kulturelle Zwecke in der Stadt Weißwasser als Sponsoringmaßnahme zu zahlen“ . Davon sollten 200 000 Euro an die Lausitzer Füchse Spielbetriebs-GmbH gehen. Die restlichen 60 000 Euro waren für sonstige und kulturelle Zwecke in der Stadt Weißwasser gedacht. An dieser Aufteilung und der hervorgehobenen Stellung der Füchse sollte laut Vertrag nur gerüttelt werden, wenn der Aufsichtsrat der Stadtwerke zu der Auffassung kommt, „dass der EHC GmbH für den Sport in Weißwasser nicht mehr die hervorgehobene Stellung zukommt wie zum Zeitpunkt des Abschlusses dieses Vertrages“ . 2003, 2004 und 2005 wurden die 200 000 Euro an die Füchse-GmbH ausgezahlt.
Diese GmbH ist die ausgegliederte Profisparte des Eissports. Der Nachwuchs und das Frauenteam sind im Stammverein ES Weißwasser organisiert. Da der Stammverein seit Jahren einen Altschuldenberg von rund einer Million Euro vor sich herschob, stellten die Gläubiger - die Stadt Weißwasser und die Niederschlesische Sparkasse - ein Schulden-Memorandum in Aussicht. Das Ziel: Den Eissport in Weißwasser von den Altlasten zu befreien und seine Zukunft zu sichern. Die Gläubiger verzichteten auf die Hälfte ihrer Forderungen. Die andere Hälfte wurde von den Stadtwerken und Veolia beglichen. Die durch beide Unternehmen zur Verfügung gestellten Mittel sollten mit der jährlichen Sponsoringrate an die Füchse-GmbH verrechnet werden. Im Klartext: Die ursprünglich 200 000 Euro sind jährlich um 83 450 Euro zu kürzen.
Notwendig war dazu eine Änderung des Konsortialvertrages zwischen der Stadt und Veolia aus dem Jahr 2002. Den Weg dafür machte der Stadtrat in einer nichtöffentlichen Sitzung am 30. März 2005 frei. Per Beschluss wurde Oberbürgermeister Hartwig Rauh bevollmächtigt, der Änderung des Vertrages zuzustimmen. Für Zündstoff sorgte jedoch die Tatsache, dass in der Neufassung des Paragrafen 9 neben der Änderung der Zahlen auch die hervorgehobene Stellung der Füchse-GmbH - bisher Grundlage für die Auszahlung der Veolia/Stadtwerke-Gelder an die Füchse - gestrichen wurde. Die entsprechende Beschlussvorlage WSW-237/05 hatte der Oberbürgermeister eingebracht. Den Vertrag aus dem Jahr 2002 so zu verändern, hält Rauh rechtlich für einwandfrei. Er räumt ein, dass dies nicht nur mit Blick auf die Entschuldung passiert ist und kritisiert den Vertrag in seiner ursprünglichen Fassung: 200 000 Euro für die GmbH, nur 60 000 Euro für alle anderen Vereine - das sei ein Missverhältnis. Geht es nach dem Willen des OB, erhält der Eissportverein ES Weißwasser als Betreiber der Eisporthalle dieses Jahr rund 115 000 Euro aus dem Stadtwerke-Topf, den Rest andere Vereine. Für den EHC stünden die Chancen schlecht, 2006 überhaupt etwas zu bekommen. Ein gemeinsamer Förderantrag vom 13. März 2006 - unterschrieben von GmbH, dem ES Weißwasser und dem Finanzbeirat - fand deshalb bislang bei ihm keine Berücksichtigung.
GmbH-Geschäftsführer René Reinert versichert, von der weit reichenden Vertragsänderung zu Ungunsten der Füchse erst im Januar erfahren zu haben. Deshalb wurden die Veolia-Gelder wie bisher in den Etat für die laufende Zweitliga-Saison eingeplant. In einem Schreiben vom 3. Mai 2005 teilten die Stadtwerke der GmbH lediglich mit, „dass die bereitzustellenden Sponsoringmittel für die kommende Saison nicht mehr in voller Höhe wie zur Saison 2004/05 zur Verfügung stehen“ . Von der Streichung der hervorgehobenen Stellung der Füchse im Konsortialvertrag ist in dem Schreiben nicht die Rede. Laut Reinert sei die GmbH deshalb davon ausgegangen, dass es sich bei der zu diesem Zeitpunkt noch nicht näher bezifferten Kürzung der Sponsoringsumme um den Betrag aus dem abzuschließenden Schul den- Memorandum handle.
Die GmbH habe nach Angaben ihres Geschäftsführers auch deshalb auf die Auszahlung der reduzierten Veolia-Gelder nach dem bisherigen Modus vertraut, weil das Unternehmen wie bisher die Sponsoringleistungen der Füchse in Anspruch genommen habe. Die Spieler tragen den Schriftzug Veolia auf ihren Trikots, außerdem bekommt das Unternehmen VIP-Karten. Zusätzliche Dramatik erfährt der Streit durch die angespannte wirtschaftliche Lage der GmbH. Neben der strittigen Veolia-Rate von 116 550 Euro fehlen ihr 150 000 Euro im Etat. Um diese Lücke, die auch durch hinter den Erwartungen zurückbleibende Zuschauerzahlen entstanden ist, zu schließen, sollen Sponsorengelder, die für die kommende Saison vorgesehen waren, in die laufende Spielzeit vorgezogen werden.
„Wir bleiben Sponsor der Lausitzer Füchse und werden uns auf höherem Niveau als bisher engagieren“ , verspricht Vattenfall-Sprecher Markus Füller. „Aber wir sehen auch den kommunalen Partner in der Pflicht. Es kann nur funktionieren, wenn Politik und Wirtschaft zusammenarbeiten.“ Auch der Energie-Konzern wartet gespannt auf die Entscheidung der Stadt Weißwasser.