" Doch geärgert hat sich bestimmt jeder Verbraucher schon einmal, wenn er einen Schrank aufbauen oder den neuen DVD-Player anschließen wollte.
Der Fachverband für technische Kommunikation Tekom wollte den Blick deshalb gestern mal auf positive Beispiele in der Branche lenken und zeichnete drei vorbildliche Anleitungen aus. Am negativen Image der Erklärungen von Waschmaschinen, Handys oder Computern dürfte dies aber wohl wenig ändern.
Besser als ihr Ruf sind die Handbücher dagegen nach Ansicht Rolf Schwermers von der Fachhochschule Hannover: "Viele Gebrauchsanleitungen sind in Ordnung, die Verständlichkeit hat sich stark verbessert", sagt Schwermer, der sich selbst als "Professor für Gebrauchsanleitungen" bezeichnet.

Bessere Ausbildung nötig
In Hannover vermittelt er Studenten im Studiengang "Technische Redaktion", wie Produkte einfach und verständlich erklärt werden können. Auf eine bessere Ausbildung setzt auch der Fachverband Tekom: In der Branche arbeiteten etwa 100 000 Menschen, davon seien aber 80 Prozent Seiteneinsteiger, sagt der stellvertretende Verbandsvorsitzende Herbert Herzke.
Eine gute Gebrauchsanleitung erfordert nach Ansicht der Experten mehr als nur eine verständliche Sprache. So prüfte etwa für die gestern in Wiesbaden vergebenen Tekom-Preise ein Team aus 26 Gutachtern anhand von 106 Einzelfragen die Qualität der bei dem Wettbewerb eingereichten Anleitungen. Dabei ging es neben dem Text unter anderem um die Gliederung der Betriebsanweisungen, die Abbildungen, die Verzeichnisse oder die Sicherheitshinweise. Vor allem die Hinweise zu Risiken und Gefahren seien "ganz wichtig" für die Bewertung gewesen, betont Schwermer. Die Gewinner - ein Getränkekühl- und Zapfgerät, eine Reisebus-Erklärung und eine Gas-Brennwert-Wärmezentrale - erhielten am Ende die Note zwei. So geglückt sind aber auch aus Sicht der Experten nicht alle Gebrauchsanweisungen. Ursache ist dafür in vielen Fällen die Übersetzung von Anleitungen aus Fremdsprachen. Doch manchmal sind es auch Kleinigkeiten, die über die Nützlichkeit der kleinen Handbücher entscheiden.

Stichwortverzeichnis fehlt
Das erfuhr Schwermer zum Beispiel, als er Werkstatt-Handbücher für Automechaniker testete. Dabei fiel ihm auf, dass die Mechaniker das Stichwortverzeichnis bei auftretenden Problemen gar nicht nutzten. Als der Wissenschaftler nach dem Grund fragte, erhielt er die Antwort, es gebe doch gar kein Stichwortverzeichnis. Das gab es zwar schon, es hieß jedoch Index.
Schwermer hält "Navigationshilfen" in der Gebrauchsanleitung für "sehr wichtig". Bei Bedarf - etwa beim Auftreten eines Fehlers - müsse der Verbraucher schnell an die entsprechende Stelle geführt werden. Dabei könnte der verzweifelte Verbraucher auch dann etwas verpassen, wenn der Blick in das Handbuch nicht weiterhilft. Denn in manchen Fällen findet er dort einen jener absolut unverständlichen Gebrauchsanleitungssätze, die an unfreiwilliger Komik schwer zu übertreffen sind - wie etwa bei den Erklärungen für die Funktionen eines Mini-Radios: "Verbinden Sie das Kopfphon zu Wagenwinde, um Musik zu genießen. (. . .) Setzen Sie das Stereo Kopfphon in Kopfphon Wagenwinde ein, die Macht ist an, sonst die Macht ist ab."