In der "Hängematte am Tropf zu hängen" ist zwar ein etwas zu gut gemeintes Sprachbild. Aber ja, wenn Sachsens Finanzpolitiker sich selbst für ihre Spardisziplin auf die Schulter klopfen, dann wird gern dick aufgeschmiert: Sachsen wirtschaftet solide - andere, zuvörderst die Berliner, dösen derweil in der Hängematte. So meinte gestern in der Landtagsdebatte der CDU-Abgeordnete Georg-Ludwig von Breitenbuch. Da schüttelte der Linken-Finanzexperte Sebastian Scheel entnervt den Kopf. Sprüche wie dieser seien "genau der Grund, warum uns die anderen Länder nicht mehr leiden können". Die Linke fordert mehr Solidarität beim Länderfinanzausgleich - und zwar mit den anderen. "Wir sind bereit, mit dem Westen auch über deren Probleme zu reden", bekannte Scheel für seine Fraktion.

Nächsten Donnerstag treffen sich die Regierungschefs in Berlin. Zum anschließenden Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel soll eigentlich ein Kompromiss zum Länderfinanzausgleich stehen. Doch bislang sind alle Kompromissversuche gescheitert. Der Graben zieht sich zwischen den finanzschwachen Ostländern nebst Niedersachsen und Schleswig-Holstein und den reicheren Geberländern im Westen. Da die derzeitige Ausgleichsregelung 2019 ausläuft, muss eine Nachfolgelösung gefunden werden.

"Schicksalsfragen für den Osten" stellen sich da, sagt Scheel - doch der Landtag fühlt sich nicht richtig einbezogen. Was die Opposition am meisten stört, ist die Befürchtung, Sachsen könnte beim Verhandeln aus der Ost-Phalanx ausscheren. Man könne schon den Eindruck bekommen, "als wäre Sachsen schon auf der Seite der Geberländer", so der Linke.

Ein wunder Punkt für die Regierung. Auf der einen Seite betont man gern die Erfolge sparsamer Haushaltsführung. Grenzt sich darin auch gern von den Nachbarn ab. Auf der anderen Seite will man auf weitere Aufbauhilfe aus Brüssel und Berlin nicht verzichten. Von dort ist ohnehin immer weniger Geld zu erwarten. Sachsen sei aber "für seine weitere wirtschaftliche Entwicklung nach wie vor auf Hilfe angewiesen", wie Finanzminister Georg Unland (CDU) gern betont. Sachsens Wirtschaftsleistung liegt ein Viertel unterm Bundesdurchschnitt, die Steuerkraft bei 43 Prozent. Insgesamt 34,4 Milliarden Euro wollen CDU und SPD in den Haushaltsjahren 2015 und 2016 ausgeben.

Der CDU-Abgeordnete Jan Löffler fordert nun mit Blick auf Berlin, "dass Sachsen mit seinem soliden Haushalt nicht hinten anstehen muss". Sein Fraktionskollege Breitenbuch findet durchaus nichts Verwerfliches dabei, sich unter den Gebern zu verorten: "Geberland ist doch ein Ziel, das in Ordnung ist."