Drei Wochen vor Beginn der Vorwahlen hat sich das Blatt gewendet: Der frühere Chef des Repräsentantenhauses gilt als neuer Favorit.

In Iowa, South Carolina und Florida, die zu den ersten Bundesstaaten im Vorwahlprozess zählen, sehen Meinungsforscher Gingrich derzeit deutlich vor seinem ärgsten Konkurrenten Mitt Romney. Durch überzeugende Auftritte in den TV-Debatten hat sich der promovierte Historiker der republikanischen Basis als wählbar präsentiert. Der 68-Jährige, der Ende der 70er-Jahre erstmals in das Repräsentantenhaus gewählt wurde, war schon einmal die große Hoffnung seiner Partei. Unter seiner Führung holten die Republikaner bei den Kongresswahlen 1994 einen Erdrutschsieg, Gingrich wurde der erste republikanische „Speaker“ des Repräsentantenhauses seit vier Jahrzehnten.

Gingrich lieferte sich mit dem damaligen Präsidenten Bill Clinton erbitterte Haushaltsschlachten, die 1995 und 1996 zu einem mehrwöchigen finanziellen Stillstand der Regierung führten. Doch sein polarisierender Kurs stieß in der Bevölkerung zunehmend auf Ablehnung. Gingrichs Image litt auch unter einer Geldstrafe von 300 000 Dollar, die ihm der Kongress wegen eines Steuervergehens aufbrummte. Nach dem enttäuschenden Abschneiden der Republikaner bei den Kongresswahlen 1998 musste er sich aus dem Repräsentantenhaus zurückziehen. Anschließend machte Gingrich seine Erfahrung und seine Kontakte mit einer eigenen Beratungsfirma zu Geld. Die Verankerung in den Machtzirkeln Washingtons ist für ihn nun ein ebenso großes Manko wie sein Privatleben: Gingrich ist zum dritten Mal verheiratet. Und während er Clinton wegen Falschaussage im Sexskandal um die Praktikantin Monica Lewinsky aus dem Amt treiben wollte, hatte Gingrich selbst eine Affäre mit einer Mitarbeiterin – die er immerhin später ehelichte.