Für den 14. November sei deshalb eine Sondersitzung einberufen, um den Bebauungsplan für den neuen Landtag - der auf dem Grundriss und in den äußeren Umrissen des in den 50er-Jahren von der SED gesprengten Stadtschlosses bis 2010 errichtet werden soll - doch noch zu beschließen. Gegenüber dem bisherigen von der Rathausspitze und Finanzminister Rainer Speer (SPD) ausgehandelten Entwurf werde es in enger Abstimmung einige Änderungen "in Details" geben. Wesentliche Korrekturen - etwa eine detailgenaue Schlosskopie in Grundriss und Fassade - lehnt Speer strikt ab. Der Ministerpräsident und frühere Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) sprach von einer "komplizierten Situation". Es gebe aber "noch" eine Chance, "die Potsdam in den nächsten 14 Tagen nutzen müsste." Auch CDU- Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm warnte davor, ein "historisches Projekt vorschnell zu beerdigen."
Wie berichtet, hatte das Stadtparlament am Mittwochabend den Bebauungsplan abgelehnt, obwohl es seit 16 Jahren die erste realistische Chance für die Wiedergewinnung der historischen Stadtmitte ist und das Land rund 100 Millionen Euro zahlen würde. Die meisten der 22 Gegenstimmen kamen von der PDS, mit 18 Sitzen stärkste Fraktion, die ein "Landtagsschloss" ablehnt. Es muss aber auch Abweichler in der "Schlosskoalition" von SPD, CDU und Grünen gegeben haben. Diese Blockade stieß auf Unverständnis. "Es wäre schlimm, wenn Potsdam die Chance auf Wiedergewinnung der Mitte verspielt. Es wird keine zweite geben", sagte Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Preußischen Schlösserstiftung. "Die Stadtpolitik muss sich am Machbaren orientieren."
Auch aus der PDS gab es - ungachtet des auf Stimmungen in der Bevölkerung ausgerichteten Oppositionskurses der PDS-Stadtfraktion - gab es besonnene Reaktionen. So bedauerte der PDS-Bundesvorsitzende und langjährige Fraktionschef im Brandenburger Landtag Lothar Bisky das neue Hin und Her, nach dem der Landtag eine demokratische Entscheidung getroffen habe: "Potsdam muss eine Mitte haben. Der neue Landtag wäre eine Lösung. Wenn dort ein Loch bliebe, wäre das peinlich." Und er fügte hinzu: "Ein Loch ist das Gegenteil von Kultur." PDS-Landeschef Thomas Nord regte ein "Moratorium", eine "Denkpause" aller Beteiligten an, um die jetzige Blockade zu überwinden.
Bauminister Frank Szymanski (SPD) - gerade zum Oberbürgermeister in Cottbus gewählt - warnte: "Das Projekt liegt im Interesse Potsdams und im Interesse des Landes." Die Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) von Brandenburg (Havel) kritisierte das Potsdamer Anspruchsdenken, bei einem 80-Millionen-Geschenk des Landes Mehrforderungen aufzumachen: "Außerhalb der Hauptstadt schüttelt man den Kopf." Andererseits zeige es eben, wie "unwägbar Kommunalpolitik" sei. Tiemann äußerte Verständnis, die Abstimmungspanne zu "reparieren", damit Brandenburg endlich einen richtigen Parlamentssitz bekommt.