Nazi-Deutschlands. Gestern wurde nun der Bau des NS-Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" erneut gestartet.
Es ist der zweite Versuch, eine Gedenkstätte auf dem 6,2 Hektar großen ehemaligen Gelände des Gestapo-Hauptquartiers in der Mitte Berlins zu errichten. Die Einweihung des bereits seit Anfang der 80er-Jahre verfolgten Projekts ist nun für den 8. Mai 2010 vorgesehen.

Notbremse nach Pleiten
Nachdem rund 15 Millionen Euro durch Fehlplanung ausgegeben wurden, stehen für das Projekt insgesamt noch knapp 24 Millionen Euro zur Verfügung, je zur Hälfte aus dem Bundes- und dem Landeshaushalt. Ursprünglich sollte es nach einem Entwurf des Schweizer Architekten Peter Zumthor errichtet werden. Nach rund zehnjähriger Planung und dem Start der Bauarbeiten zogen Bund und Senat 2004 aufgrund enorm gestiegener Kosten und der Pleite mehrerer beteiligter Baufirmen die Notbremse.
Jetzt soll nach wieder dreijähriger Planungsphase direkt neben dem Martin-Gropius-Bau ein zweistöckiges, quadratisches, rundum verglastes Gebäude mit einer Nutzfläche von rund 3500 Quadratmetern errichtet werden. Darin werden sich neben Ausstellungsflächen auch Räume für Seminare, für die wissenschaftlichen Mitarbeiter und für die Bibliothek befinden. Insgesamt sind 30 000 Quadratmeter und damit knapp die Hälfte des historischen Grundstücks verplant. Ein Robinienwäldchen auf dem Gelände soll bestehen bleiben.
Die Planung für das Dokumentationszentrum stammt vom Berliner Büro Heinle, Wischer und Partner, das sich damit im zweiten Architektenwettbewerb gegen rund 300 andere Entwürfe durchsetzte. Für den Bau plus Nebenkosten sind laut Stiftung Topographie des Terrors insgesamt 19 Millionen Euro veranschlagt. Für die Inneneinrichtung stehen rund vier Millionen zur Verfügung, eine Million soll für die Gestaltung der Grünanlagen ausgegeben werden.
Bereits seit 1987 informieren auf dem Gelände gegenüber dem Bundesfinanzministerium provisorische Freiluft-Ausstellungen über die NS-Verbrechen. Mehr als eine halbe Million Besucher wurde dort 2006 gezählt. Künftig sollen Gebäudereste des nach dem Zweiten Weltkrieg planierten Geländes besser sichtbar gemacht werden.

Baufortschritt im Internet
Während der Bauarbeiten soll der Ausstellungsbetrieb auf dem Gelände neben dem Martin-Gropius-Bau nicht unterbrochen werden, verspricht der Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama. Mit Hilfe einer am Gropius-Bau installierten Kamera können sich Interessierte künftig im Internet über den Fortgang der Geschichte ein Bild machen.
Nach Holocaust-Mahnmal und Jüdischem Museum ist die "Topographie" vermutlich das letzte große, mit der NS-Geschichte verbundene Bauprojekt in Berlins Mitte. In allen drei Fällen war die Errichtung eine fast unendliche Geschichte, bei der "Topographie" allerdings dauert sie noch an.