In den USA hat sich eine zweite Pflegekraft mit Ebola angesteckt. Die Person hatte sich ebenfalls um den aus Liberia eingereisten Mann gekümmert, der vor einer Woche gestorben war, teilte die Gesundheitsbehörde von Texas am Mittwoch mit. Erneut wurden keine Einzelheiten zum Patienten bekannt, weder Alter noch Geschlecht. Eine Krankenschwester, die sich auch um den Liberianer gekümmert hatte, war am Sonntag als erster Fall einer Ebola-Übertragung innerhalb der USA bekannt geworden.

Die nun erkrankte Pflegekraft meldete der Behörde zufolge am Dienstag Fieber, ein Test bestätigte die Infektion. Sie sei sofort isoliert und zu möglichen Kontakten befragt worden. Alle Menschen, mit denen sie in Verbindung war, stünden unter Beobachtung, "je nachdem, wie eng der Kontakt war". Wie am Mittwoch bekannt wurde, war die zweite infizierte Krankenschwester kurz vor Ausbruch der Krankheit noch mit einem Passagierflugzeug gereist. Sie sei am Abend des 13. Oktober von Cleveland im Bundesstaat Ohio nach Dallas in Texas geflogen, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC mit. Die Behörde rief 132 Passagiere des Flugs 1143 der Linie Frontier Airlines auf, sich zu melden. Die Menschen, die besonders gefährdet für eine Ansteckung seien, würden dann beobachtet.

Normalerweise sind Ebola-Infizierte während der Inkubationszeit - also bis zum Ausbruch der Krankheit - nicht ansteckend. Wegen der kurzen Zeitspanne zwischen Flug und dem einsetzenden Fieber ordnete die Gesundheitsbehörde die Maßnahme aber an.

Die zuerst infizierte Krankenschwester hatte nach Angaben des Krankenhauses die vorgeschriebene Schutzkleidung aus Anzug, Handschuhen, Brille und Gesichtsmaske getragen. Ersten Vermutungen zufolge könnte sie sich beim Abnehmen der Maske angesteckt haben. Ärzte hatten die Sicherheitsvorkehrungen dennoch als effizient bezeichnet. Ob das nach dem zweiten Fall noch gilt, war zunächst unklar. Der Chef der US-Seuchenbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention), Tom Frieden, hatte bereits am Sonntag davor gewarnt, dass der Infektion der Krankenschwester weitere Fälle folgen könnten. Aber auch er bezeichnete den Infektionsschutz der Mitarbeiter als jahrzehntelang erprobt.

Bei der Betreuung von Ebola-Kranken werden demnach die Teams so klein wie möglich gehalten und die Mitarbeiter ständig überwacht. Zweimal am Tag würde Fieber gemessen. Der Patient aus Liberia hatte sich zwar in Afrika angesteckt, seine Ebola-Erkrankung war aber erst in den USA ausgebrochen. Er war am 20. September in Texas angekommen, vier Tage später spürte er Symptome. Vor einer Woche starb er trotz intensiver Pflege.

Unterdessen rief US-Präsident Barack Obama die Welt auf, im Kampf gegen Ebola mehr zu tun. Es gebe eine Reihe von Staaten, die sich bisher nicht engagiert hätten, obwohl sie über die nötigen Kapazitäten verfügten.

Der Leichnam des in Leipzig gestorbenen Ebola-Patienten ist eingeäschert worden. Er wurde in der Nacht zum Mittwoch in einem Krematorium verbrannt, wie ein Stadtsprecher mitteilte.

Chronlogie

Erste Ebola-Fälle wurden im März in Guinea registriert, erste Infektionen gab es jedoch wohl schon im Dezember 2013. Mehr als 4000 Menschen fielen der Seuche nach Angaben der WHO bisher zum Opfer.

4. Juli: Nach einer Krisensitzung mit internationalen Experten in Ghana gibt die Organisation Ärzte ohne Grenzen eine vorsichtige Einschätzung ab: "Es kann noch Wochen oder sogar an manchen Orten einige Monate weitergehen. Das ist sehr schwer vorherzusagen", heißt es aus der Brüsseler Einsatzzentrale.15. August: Ärzte ohne Grenzen erwartet, dass die Epidemie noch mindestens ein halbes Jahr andauern wird. Die Helfer könnten mit der sich stetig verschlechternden Lage nicht mithalten.3. September: Insgesamt mehr als 20 000 Infizierte sagen die WHO und das Imperial College in London bis Anfang November voraus. Schon bald sei mit Tausenden neuen Fällen pro Woche zu rechnen. Die Studie erscheint im Fachmagazin "New England Journal of Medicine".13. September: Wissenschaftler mehrerer US-Universitäten fürchten, dass die Epidemie in Westafrika noch schlimmer wird als von der WHO angenommen. Ihren Prognosen zufolge dürfte der Ausbruch noch wenigstens zwölf bis 18 Monate andauern, berichtet die "New York Times". Die Forscher gehen von bis zu 20 000 Fällen pro Monat aus.23. September: Die US-Seuchenkontrollbehörde CDC rechnet allein in den am stärksten betroffenen Ländern Sierra Leone und Liberia inklusive Dunkelziffer mit etwa 21 000 Ebola-Fällen bis Ende September.14. Oktober: Die WHO erwartet im Dezember wöchentlich zwischen 5000 und 10 000 neue Ebola-Fälle in Westafrika.Zum Thema:
Konferenz Überlebender: Tausende Menschen in Westafrika, die Ebola überlebt und Immunität gegen das Virus erworben haben, sollen künftig im Kampf gegen die Seuche helfen. Entsprechende Pläne sollen bei der ersten Konferenz von Ebola-Überlebenden erörtert werden, die am heutigen Donnerstag und am Freitag mit Unterstützung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) in Sierra Leone stattfindet. Unicef geht davon aus, dass in den nächsten sechs Monaten bis zu 2500 Ebola-Überlebende für Aufgaben zur Bekämpfung der Seuche ausgebildet werden könnten, darunter als Pfleger für an Ebola erkrankte Kinder. TV-Sendung: "Ebola bei uns - Gefahr oder Panikmache?" ist der Titel einer aktuellen Dokumentation in der ARD. Sie wird am heutigen Donnerstag, 22.45 Uhr, im Ersten gesendet.