In den USA werden die Zweifel an dem angeblichen Mordkomplott des Irans gegen den saudischen Botschafter Adel al-Dschubair in Washington immer lauter. Selbst US-Ermittler seien lange skeptisch gewesen, weil die Verschwörung so bizarr und ungewöhnlich schlecht organisiert erschien, berichteten die „Washington Post“ und das „Wall Street Journal“ am Donnerstag. Dass die iranische Führung verwickelt sei, basiere lediglich auf Schlussfolgerungen.

Justizminister Eric Holder hatte „Elemente der Regierung“ im Iran, konkret den militärischen Arm Al-Kuds der Revolutionsgarden, für den Plot verantwortlich gemacht. Als Beweis nannte seine Behörde eine Überweisung von 100 000 Dollar an einen mutmaßlichen Auftragsmörder des mexikanischen Drogenkartells „Los Zetas“, der in Wirklichkeit ein Informant der Drogenfahndung DEA gewesen sei. Der Geldtransfer lasse sich zu den Al-Kuds zurückverfolgen und könne eigentlich nur von ihrer Führung genehmigt worden sein.

In den Zeitungsberichten räumten die zitierten Beamten dagegen ein, das Komplott trage nicht die Handschrift dieser Spezialeinheit. „Was wir sehen, scheint unvereinbar mit den hohen Standards, die wir aus der Vergangenheit kennen“, heißt es. „Der operative Flügel der Al-Kuds ist zu intelligent und erfahren, um solch eine schlampige Operation durchzuführen“, sagte der auf Iran spezialisierte politische Analyst Roozbeh Mirebrahimi dem „Wall Street Journal“.

Ein westlicher Diplomat im UN-Sicherheitsrat sagte in der „Washington Post“: „Jeder war überrascht über den Dilettantismus der Verschwörer.“ In der „New York Times“ äußerte sich der Nah ostexperte Kenneth Katzman kritisch. „Es gibt einfach keinen Präzedenzfall und noch nicht einmal eine angemessene Begründung dafür, dass der Iran ein Komplott plant – ganz egal wo – mit nichtmuslimischen Dritten wie mexikanischen Drogenbanden“, sagte er. Persönliche Bekannte von Arbabsiar äußerten sich ungläubig über die Vorwürfe. Der 56-Jährige sei für solch eine große Aktion nicht schlau genug gewesen.

Der ehemalige iranische Präsident Mohammed Chatami warnte unterdessen seinen Nachfolger Mahmud Ahmadinedschad vor einem möglichen Militärangriff der USA. „Unsere politischen Vertreter sollten vorsichtig sein, den USA einen Vorwand zu liefern, um gegen unsere Sicherheit und territoriale Integrität vorzugehen“, sagte Chatami der oppositionellen Internetseite Rahesabs. Er bezeichnete die US-Vorwürfe als eine Verschwörung der Regierung in Washington vor der Präsidentschaftswahlen 2012.