Wie ein Befreiungsschlag sieht der Auftritt des Ministerpräsidenten nicht aus - eher wie die Wasserstandsmeldungen in der Jahrhundertflut. Die Entscheidungen, sagt Milbradt, seien ihm nicht leicht gefallen, sie bedeuteten auch Abschied.
Abschied vor allem von seinen engen Weggefährten Horst Metz, dem scheidenden Finanzminister, und von Hermann Winkler, der die Staatskanzlei nur noch wenige Wochen führen wird. Gerade diese Männerfreundschaft war jedoch auf eine harte Probe gestellt worden. Aus der CDU-Fraktion wird berichtet, dass Winkler offenbar nicht richtig über seine Ablösung durch Michael Sagurna informiert gewesen sei. Winkler sei in der Fraktionssitzung, als es um ihn ging, plötzlich nach vorn zu Milbradt gelaufen, die beiden hätten dort heftig miteinander debattiert.
Es ist gerade die Personalie Sagurna, die nun elektrisiert. Ausgerechnet der ehemalige Regierungssprecher von Alt-Premier Kurt Biedenkopf soll neuer Chef der Staatskanzlei werden. Sagurnas Berufung gilt dabei als Signal, die alten Flügel in der CDU zu befrieden. Zugleich soll der 52-jährige Westfale, der nach wie vor als Biedenkopf-Vertrauter gilt, die heftig kritisierte Kommunikationsarbeit und das misslungene Krisenmanagement in den jüngsten Affären auf Vordermann bringen.
Milbradt sieht sich derzeit in der Rolle eines Fußballtrainers, "der an einem bestimmten Spielabschnitt gucken muss, was benötigt wird, um dem Spiel richtigen Schwung zu geben". Unter dem Druck der Korruptionsaffäre, den Fehlern im Verfassungsschutz und dem Notverkauf der Landesbank war Milbradt massiv unter Beschuss geraten. Als deutliches Zeichen der Unzufriedenheit war er auf dem jüngsten CDU-Parteitag nur mit 73,8 Prozent als Parteichef wiedergewählt worden. Das Votum wurde als seine letzte Chance gewertet.
Nachfolger von Minister Metz, der wegen des Desasters um die Landesbank Sachsen LB seinen Rücktritt angekündigt hatte, wird Umwelt- und Agrarminister Stanislaw Tillich. Sein Nachfolger wird der Landtagsabgeordnete Roland Wöller. Nicht ausgewechselt wird indes der angeschlagene Innenminister Albrecht Buttolo (CDU), der in der Korruptionsaffäre massiv in Bedrängnis geraten war. Milbradt sagte, Buttolo werde benötigt, um die Kreis- und Verwaltungsreform möglichst bis zum Jahreswechsel durch den Landtag zu bringen. Buttolos Abgang wird erst Anfang 2008 erwartet.
"Es geht nicht nur darum, Personal auszutauschen, sondern auch die Probleme zu lösen", sagt Ex-Minister Matthias Rößler. Außerdem wird in der CDU moniert, dass zwei ostdeutsche Kollegen das Kabinett verlassen, jedoch zwei "Wessis" nachfolgen. Und für den Koalitionspartner SPD erklärt deren General Dirk Panter salomonisch: "Die Menschen sollen selbst bewerten, ob die neue Mannschaft ein großer Wurf ist. Wir hatten uns ein Ende der Personaldebatten gewünscht."
Schärfer zu Werke geht freilich die Opposition. "Wenn man Sagurna in die Staatskanzlei holt, kann man auch Biedenkopf wieder zum Regierungschef machen", spottet der Fraktionschef der Linken, André Hahn. Die halbherzige Kabinettsumbildung sei "kein Befreiungsschlag, eher ein Rohrkrepierer".