Keine Ein-Euro-Jobber und zu wenig eigene Mittel: Zwei nordsächsische Tafeln sehen ihre Zukunft bedroht und haben einen Hilferuf an Landrat Michael Czupalla (CDU) geschickt. Dieser will in einem Gespräch diese Woche Lösungen zum Erhalt der Tafeln finden. „Wir müssen momentan die gesamte Arbeit mit ehrenamtlichen Helfern stemmen“, klagt die Schatzmeisterin der Torgauer Tafel, Helga Woy. Früher habe ihre Einrichtung bis zu zehn Ein-Euro-Jobber bekommen. „In diesem Jahr wurden alle Anträge abgelehnt.“

Ähnlich sieht es in Delitzsch aus. „Bei uns läuft jetzt eine Arbeitsmaßnahme aus. Danach bekommen wir keine mehr“, sagte Tafel-Chefin Jutta Faak. Sie brauche eigentlich zwei zusätzliche Fahrer von der Arbeitsagentur, um in allen Discountern des Delitzscher Einzugsgebietes Lebensmittel abzuholen. „Ohne Fahrer kann ich keine Lebensmittel einsammeln und den Bedürftigen geben“, erklärt Faak. Die Delitzscher Tafel verteilt jeden Monat an etwa 1800 Menschen Lebensmittel, die von Supermärkten aussortiert wurden, weil sie nicht mehr verkauft werden können.

In einem Gespräch will Czupalla am Mittwoch Lösungen erarbeiten, wie die Tafeln gerettet werden können. „Wir setzen auf die Bundesfreiwilligendienstler. Das wollen wir am Mittwoch diskutieren“, sagte Nordsachsens Sprecher Rayk Bergner. Es gebe aber mehrere Möglichkeiten. Zu dem Gespräch sind Vertreter der drei sächsischen Tafeln in Delitzsch, Torgau und Oschatz sowie Mitarbeiter der betroffenen Kommunen und Vertreter des Jobcenters der Arbeitsagentur eingeladen.

Helga Woy zweifelt an einer Lösung mit Bundesfreiwilligendienstlern: „Das ist für uns nicht bezahlbar.“ Für die sogenannten „Bufdis“ müsse die Tafel Sozialabgaben bezahlen.

„In aller Regel kann das aber so gestaltet werden, dass der Einsatzstelle für einen Bundesfreiwilligendienstler keine Kosten entstehen“, versichert dagegen der Bundesbeauftragte für den Zivildienst Jens Kreuter. Momentan versorgt Helga Woy mit 15 ehrenamtlichen Helfern etwa 1600 Bedürftige in der Region Torgau.