Im Gleichklang mit dem früheren Parteivorsitzenden und wiedergewählten Landeschef Matthias Platzeck griff dabei Steinmeier die Linke scharf an und verteidigte ausführlich die Ergebnisse der zehn Jahre Regierungsbeteiligung der SPD im Bund. "Wir bleiben standhaft und laufen den Populisten nicht hinterher", sagte Steinmeier.
Der Außenminister, der die brandenburgische SPD in den Bundestagswahlkampf führen soll, verlangte von seinen Parteifreunden das "notwendige Selbstbewusstsein" beim Blick zurück. Als die SPD vor zehn Jahren die Bundesregierung übernommen habe, habe sie eine Million mehr Arbeitslose als heute und zerrüttete Staatsfinanzen vorgefunden. Es habe unter sozialdemokratischer Verantwortung "unangenehme Entscheidungen" gegeben, die aber notwendig zur Rettung der Sozialsysteme gewesen seien. "Lasst uns jetzt die Ergebnisse nicht verspielen", sagte Steinmeier zu Forderungen nach Korrekturen auch in der eigenen Partei. Die Linke sei auf der Bundesebene kein denkbarer Koalitionspartner für "eine Politik der Verantwortung und der Vernunft". Die SPD müsse die politische Auseinandersetzung "weiterhin aus der Mitte heraus führen".
Scharf kritisierte Steinmeier auch die außenpolitischen Forderungen der Linken. Die seien "ein Risiko für die europäische Einigung und letztlich sogar für den Frieden". Steinmeier ging dann auf die Krise in Georgien ein. Russland habe auf das "unverantwortliche Handeln" der georgischen Regierung mit einer "Überreaktion" geantwortet. Es sei wichtig, jetzt die „Scharfmacherei“ zu beenden und wieder zu einer Entspannungspolitik im Sinne Willy Brandts zurückzukehren. Dafür erhielt er von den Brandenburger Delegierten den meisten Beifall. Deutlich verhalten fiel die Kritik Steinmeiers am Koalitionspartner CDU aus. Die sei nicht konsequent genug bei der Bildungspolitik, und deren Schwesterpartei CSU neige zu einer unverantwortlichen Finanzpolitik.
Matthias Platzeck hatte der Linkspartei zuvor das Recht auf Mitgestaltung abgesprochen. Das sei immer noch die Partei, die 1989 die "abgewirtschaftete DDR an die Wand gefahren hat." Wenn einstige Stasi-Mitarbeiter meinten, sie hätten eine segensreiche Tätigkeit vollbracht, müsse gegengehalten werden, erklärte Platzeck. Die Menschen erinnerten sich an die DDR mit ihren grauen und kaputten Städten und der zerstörten Umwelt. An die Adresse der Linkspartei gerichtet, meinte Platzeck: "Deshalb solltet ihr sehr nachdenklich sein, wenn ihr sagt, ihr seid jetzt auch mal dran. Ihr seid es nicht, mit Sicherheit nicht!" Auch Platzeck verschonte wie zuvor schon Steinmeier den Koalitionspartner CDU mit all zu eindeutigen kritischen Anmerkungen.
Steinmeier war in der letzten Woche drei Tage lang in Brandenburg unterwegs gewesen und hatte dabei auch erstmals außerhalb seines zukünftigen Wahlkreises rund um die Stadt Brandenburg/Havel Station gemacht. Am vergangenen Donnerstag besuchte er die Lausitz (die RUNDSCHAU berichtetet), am Freitag Eisenhüttenstadt und Neuzelle und wurde dabei auch von Platzeck begleitet.
Beide Politiker erklärten während des Besuchs, wie wichtig aus ihrer Sicht der Erhalt der traditionellen Industriestandorte des Landes ist. Dazu gehört aus der Sicht Steinmeier auch der Braunkohletagebau. In der Energiepolitik zeichne sich nicht nur die Linkspartei durch populistische Forderungen aus. Auch auf die CDU sei kein Verlass. Sie habe in Hamburg ein geplantes Kohlekraftwerk „den Grünen zum Fraß vorgeworfen“ . Wer aber bezahlbare Energie den Menschen verspreche, müsse „ehrlich bleiben“ und damit auch für den Einsatz der Kohle eintreten. Ähnlich argumentierte Platzeck auf dem Parteitag auch mit Verweis auf die Arbeitsplätze im Braunkohletagebau. Es gehe darum, aus der heimischen Kohle eine „saubere“ zu machen, die keine Klimagase mehr in die Atmosphäre freisetze.
Offenkundig wurden nicht nur auf dem Parteitag, sondern auch während der gesamten Steinmeier-Reise in Brandenburg die engen Bande, die den SPD-Landeschef mit dem Außenminister verbinden. Beide argumentieren in nahezu perfekter inhaltlicher Übereinstimmung über ihre Vorstellungen zur Zukunft der SPD und mögliche Bündnispartner der Partei.

Zum Thema Cottbuserin Martina Münch wieder im SPD-Vorstand
 Brandenburgs SPD hat gewählt: Ministerpräsident Matthias Platzeck wurde mit
102 der 120 Delegiertenstimmen im Amt bestätigt. Erwartungsgemäß wurden auch Klara Geywitz , Vize-Chefin der Landtagsfraktion, und die Cottbuser Landtagsabgeordnete Martina Münch zu stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden gewählt. Sie erhielten 76,7 beziehungsweise 75,4 Prozent der Stimmen. Zuvor hatte der Parteitag entschieden, die Zahl der Stellvertreter von bisher vier auf zwei zu reduzieren. Der Generalsekretär der Brandenburg-SPD, Klaus Ness, wurde mit 70,2 Prozent gewählt. Für den Schatzmeister Burkhard Schröder votierten 91,4 Prozent.