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Gericht
Zwei Polizisten und Großmutter getötet – Prozess beginnt

Polizeifahrzeuge sperren am 28. Februar 2017 die Bundesstraße 168 zwischen Oegeln und Beeskow ab. Hier wurden bei der Flucht von einem Tatort zwei Polizisten überfahren und getötet.
Polizeifahrzeuge sperren am 28. Februar 2017 die Bundesstraße 168 zwischen Oegeln und Beeskow ab. Hier wurden bei der Flucht von einem Tatort zwei Polizisten überfahren und getötet. FOTO: dpa
Frankfurt (Oder). Erst starb eine Rentnerin nach einem Streit um Geld in Märkisch-Oderland. Dann fuhr der mutmaßliche Mörder auf der Flucht zwei Polizisten tot. Anna Ringle

Er soll erst seine Großmutter in ihrem Haus im Märkisch-Oderland getötet und danach auf der Flucht zwei Polizisten totgefahren haben: Wegen dreifachen Mordes muss sich ab morgen ein 25-Jähriger in Frankfurt (Oder) vor Gericht verantworten. Das Landgericht hat bislang rund 20 Verhandlungstermine bis Januar geplant. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) gab der Beschuldigte die Taten in Vernehmungen zu.

Die beiden Beamten standen Ende Februar an einer Kontrollstelle an der Bundesstraße 168 zwischen Oegeln und Beeskow, als der Angeklagte in einem Auto angerast kam. Die Polizei war damals alarmiert worden, weil der junge Mann verdächtig war, seine 79 Jahre alte Oma im nahe gelegenen Müllrose getötet zu haben. Eine Großfahndung lief. Die Beamten wollten den Mann mit einem Nagelbrett stoppen. Sie wurden jedoch überfahren und starben noch an der Stelle an ihren Verletzungen.

Nach früheren Staatsanwaltschaftsangaben hatte der Mann bei der Vernehmung angegeben, Angst gehabt zu haben, von den Beamten erschossen zu werden. Was seine Großmutter angehe, so hätten sie vor ihrem Tod um Geld gestritten. Die Frau wurde mit einem Messer erstochen.

Die Tat hatte Entsetzen ausgelöst. Viele Anwohner der alten Frau hatten sich an dem Tag in Müllrose fassungslos gezeigt. Laut Gericht wohnte ihr Enkel zuletzt auch in Müllrose.

Der damals 24-Jährige kam anschließend in die Psychiatrie nach Brandenburg/Havel. Ein Gutachter gab später an, dass eine Persönlichkeitsstörung vorliege, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei ihrer Mordanklage gehe sie deshalb von verminderter Schuldfähigkeit aus. Die Strafe könnte somit nach dem Strafgesetzbuch (Paragraf 21) gemildert werden.

Gegen den Mann lief bereits Ende 2016 ein Prozess wegen Raubes und Diebstahls.Der Mann war als Gewalttäter und Drogenkonsument bekannt und hatte mehrere Eintragungen wegen verschiedner Straftaten im Bundeszentralregister. Zwischen 2013 und 2014 verbüßte er eine Haftstrafe.

Das Landgericht Frankfurt (Oder) erklärte ihn damals aufgrund einer "undifferenzierten Schizophrenie" für schuldunfähig. Weil ein Gutachter ihm Behandlungsfähigkeit attestierte, kam er damals nicht in eine geschlossene Psychiatrie, sondern wurde unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.