Von Frank Hilbert

Klaus-Peter und Inge Jaschke waren im Sommer in Brasilien angelandet und berichten in ihrem Website-Blog von ihren Erlebnissen bei zahlreichen Landausflügen. Zwischenzeitlich waren Tochter Ivonne und Enkel Eric zu Besuch, mit denen die beiden Reisenden viel unternahmen.

Der Bericht von der Fahrt nach Piriapolis in Uruguay endet dann mit einem unerwarteten Ereignis: „Nach ein paar Stunden vernahmen wir seltsame Geräusche aus dem Motorraum. Ein Blick in denselben jagte uns einen ziemlichen Schrecken ein, denn aus dem Getriebe (der Öffnung für den Ölpeilstab) lief Wasser, Salzwasser. Es war klar,  dass der Ölkühler kaputt gegangen ist und das Getriebe voll Salzwasser gelaufen ist. Das ist ganz, ganz schlecht für das Getriebe“, beschreibt Klaus Jaschke das Geschehen auf dem Meer.  Mit abgeschaltetem Motor und gesetzten Segeln gelangten sie schließlich in ihren Zielhafen.

Dort war dann klar, das Getriebe samt Ölkühler mussten gewechselt, das Boot musste aus dem Wasser und die beschädigte Antriebswelle repariert werden. Getriebe und Ölkühler mussten aus den USA bestellt werden. „Allein die Kosten für unser Getriebe, den Ausbau der Antriebswelle und deren Reparatur verursachten bei mir Anfangs Schnapp-Atmung. Der Stundenlohn eines Schlossers liegt bei 100 Dollar (aber man kann dafür nicht etwa einen Hochgeschwindigkeits-Schlosser erwarten). Da es für uns keine Alternative gibt, bleibt nur eins, Augen zu und durch“, berichten die beiden Lausitzer.

Handwerklich versiert, versuchte Klaus-Peter Jaschke, das 65 Kilo schwere Getriebe selbst auszuwechseln, was er recht abenteuerlich schildert: „Da das Getriebe vor dem Versand in Miami (USA) noch einmal geprüft wurde und alles O. K. war, bin ich doch auf den glorreichen Gedanken gekommen, das Getriebe alleine einzubauen und ein paar Dollar zu sparen. Was für eine Sch..... Idee. Nachdem ich mehrere Liter Schweiß verloren hatte, war das Getriebe nach zwei Tagen eingebaut. Am dritten Tag sollte der Funktionstest stattfinden. Das heißt, Motor starten und Gang einlegen. Doch dann gefror das Lächeln im Gesicht – das Getriebe dreht sich nicht, weder vorwärts noch rückwärts. Na, da konnte ich mir von allen möglichen Leuten was anhören. Die erste war Ingrid (sie stand ja gleich neben mir) – ,jetzt haste das Getriebe kaputt gemacht. Mensch, du oller Geizhals, was musstest du es alleine einbauen‘. Ich wusste aber zu 100 Prozent, dass ich an diesem Getriebe nichts kaputt machen konnte. Als nächstes haben wir unseren Mechaniker  Diego aufs Boot geholt…“

Dieser erledigte dann wie vereinbart die Arbeit. Das Boot musste für weitere Arbeiten an der Antriebswelle aus dem Wasser und dann folgte die Testfahrt. Da stellte sich dann heraus, dass  Vorwärts- und Rückwärtsgang am neuen 5000-Dollar-Getriebe vertauscht worden waren. Im Anschluss wurde auch dieses Malheur behoben. Und bei all dem wieherte nebenbei ganz gewaltig der Amtsschimmel von Uruguay.

„Ja, und jetzt war auch der Zeitpunkt gekommen, an dem Ingrid nach Deutschland fliegt. Ich bleibe an Bord, denn der Liegeplatz ist alles andere als sicher. Nachdem das Auge von Ingrid zum zweiten Mal (jetzt aber erfolgreich) gelasert wurde und auch alle anderen Untersuchungen positiv waren, haben wir beschlossen, doch nach Süden (Patagonien und Feuerland – wenn sich die Möglichkeit ergibt Kap Horn) zu segeln. Ich nutze die Zeit, um das Boot für diese abenteuerliche Tour vorzubereiten. Die Strecke, die wir durch das chilenische Labyrinth fahren, muss festgelegt werden. Sie muss auch bei der chilenischen Küstenwache vorgelegt werden und dann erhält man das ,Zarpe‘ die Fahrgenehmigung“, erzählt Klaus-Peter Jaschke und noch einiges mehr im Blog, was er in der Zwischenzeit im Hafen erlebte.

 Am 9. November   kam Ingrid Jaschke aus Deutschland zurück nach Piriapolis. „Ingrid ist wieder wohlbehalten mit einem großen Koffer voller Ersatzteile in Uruguay angekommen. Der Zoll hat sich Gottseidank nicht um den Inhalt des großen Koffers gekümmert. Nur ihr Handgepäck wurde gründlichst untersucht. Ich bin mit dem Bus nach Montevideo, um sie abzuholen. Die Wiedersehens-Freude war nach anderthalb Monaten entsprechend groß. Die folgenden Tage verbrachten wir mit dem Ein- bzw . Anbau der mitgebrachten Teile: Tankanzeigen, Membran für manuelle Bilgenpumpe, Pumpe für die hintere Toilette, 9V-Stromversorgung für Tankanzeigen und vieles mehr – die Woche bis zu unser geplanten Abfahrt verging Ruckzuck“, berichtet der glückliche Ehemann.

Für diejenigen, die auf der Karte mal nachschauen wollen,  wo es eigentlich hingehen soll, nennen die beiden ein paar Orte: „Von Piriapolis nach Mar del Plata (Argentinien), Puerto Madryn,  Caleta Horno (hat nichts mit Kap Horn zu tun), Isla Estados, dann die Le Maire Straße (das ist eine sehr spezielle Stelle), rechts abbiegen in den Beagle Kanal, Ushuaia (der südlichste Ort von Argentinien), wieder ein Stück zurück nach Puerto Williams (Chile), den Beagel-Kanal weiter nach Westen, der Brazo Sudoeste, nach Norden in Richtung Magelanstraße, Kanal Smyth, Puerto Natales, Puerto Eden,  Golfo de Corcovado, Golfo de Ancud, Puerto Montt (das ist erst einmal das 1. Hauptziel), Valdivia (das Ziel). Diese Auflistung ist nur ein kleiner Teil der unzähligen kleinen Kanäle und Ankerbuchten, die wir besuchen.“

In Argentinien wurde das Schiff einer Inspektion unterzogen. O-Ton Jaschke: „Wir wussten von unseren niederländischen Freunden, dass diese Inspektion neuerdings bei jeder Yacht durchgeführt wird. Eigentlich hatten wir erst in Chile damit gerechnet, denn wir wussten, dass bei etlichen Sachen das Haltbarkeitsdatum überschritten war. Kaum, dass wir an Bord waren, war auch schon das Inspektionsteam der Präfektura da, mit Drogenspürhund. Es kam, wie es kommen musste:  Drogen wurden nicht gefunden, aber das Haltbarkeitsdatum der Leuchtraketen, Handfackeln und der Feuerlöscher war abgelaufen. Eine Strafe von umgerechnet 100 Euro mussten wir auch bezahlen.  Einen kleinen Trost hatten wir, denn die anderen Yachten (Engländer, Holländer) erging es genauso. Jetzt wurde es doch noch stressig: Raketen und Fackeln suchen und kaufen, Wartungsdienst für Feuerlöscher suchen und überprüfen lassen. Für die ganze Aktion brauchten wir zwei Tage.“

In den folgenden zwei Tagen war Diesel holen angesagt. Die 680 Liter schleppte Klaus-Peter Jaschke mit zwei 20 Liter Kanister und einer kleinen Transportkarre die Straße entlang „über die buckeligen Schwimmstege aufs Boot. Da spürt man am Abend, was man gemacht hat“.

Am 7. Dezember sollte es dann losgehen. „Ein bisschen aufgeregt sind wir schon, denn wir bewegen uns in der Gegend, wo auch das argentinische U-Boot vermisst wird. Außerdem ist die argentinische Küste eine Gegend, wo der Wind schon mal unverhofft und gewaltig auffrischt. Unser einziger Stopp wird nach fünf  Tagen in der Caleta Horno (eine sehr schöne, einsame Anker-Bucht) sein. Ich vermute mal, wenn wir hier in Mar del Plata ablegen, haben wir bis Ushuaia kein Internet, denn wir halten ordentlich Abstand zur Küste. Wir werden alle zwei bis drei  Tage ein kleinen Bericht per Satellit in den Blog setzen. Bilder und ein ausführlichen Bericht gibt es erst in Ushuaia“, kündigt der rüstige Lausitzer an.

Beide See-Vagabunden hoffen, Weihnachten oder kurz nach Weihnachten in Ushuaia zu sein. Dort wollen sie noch einmal die Vorräte für die nächsten drei Monate auffüllen. Dann soll es in den südlichsten Ort nach Puerto Williams (Chile) gehen, wo sie Silvester feiern wollen.  Der Vorteil eines Schiffes besteht hier unter anderem darin, dass zwischen dem argentinischen Ushuaia und dem chilenischen Puerto Williams rund 50 Kilometer Luftlinie und die Landesgrenze inmitten des Beagel-Kanals liegen. Würde man die Strecke mit dem Auto bewältigen wollen, müsste man einen riesigen Bogen über rund 1200 Kilometer entlang der Magelanstraße fahren und wäre laut Routenplaner mehr als 42 Stunden unterwegs.