"Ich beteilige mich nicht an Spekulationen." Der CDU-Fraktions- und Landesvorsitzende Michael Schierack sitzt im Presseraum des Potsdamer Landtags, vor ihm die Korrespondenten aller Brandenburger Tageszeitungen, von Fernsehen, Rundfunk und Agenturen. Und auf jede einzelne Frage antwortet er gleich: "Ich beteilige mich nicht an Spekulationen."

Der Hintergrund des ungewöhnlichen Verhaltens: Am Morgen hatte eine Potsdamer Tageszeitung berichtet, dass Schierack nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche mit der Brandenburger SPD den Vorsitz der Landtagsfraktion an den früheren Ortrander Bürgermeister Ingo Senftleben abtreten wolle. Parteikreise bestätigten der RUNDSCHAU am Dienstag diesen Plan. Denn schon seit Wochen gibt es in der CDU Druck auf den ehemaligen Spitzenkandidaten: Schließlich hatte die SPD erklärt, dass Schieracks Weigerung, ins Kabinett zu gehen, ursächlich für das Scheitern der Sondierungen war .

Am heutigen Mittwoch kommt deswegen auch in Potsdam der Landesvorstand der CDU zusammen. Und es wird erwartet, dass Schierack spätestens dann den Rücktritt vom Fraktionsvorsitz ankündigt. Da zwischem dem Rücktritt und der Neuwahl eines Fraktionsvorsitzenden laut Wahlordnung der CDU-Landtagsfraktion allerdings mindestens eine Woche liegen muss, könnten die Christdemokraten frühestens am 18. November einen neuen Fraktionschef wählen.

Schiera ck wollte sich freilich auch dazu nicht äußern. Und auf die Frage, ob denn der Bericht über den bevorstehenden Rücktritt nun falsch gewesen sei, antwortete Schierack ebenfalls: "Ich werde dazu nichts sagen." Was letztlich nur die Interpretation zulässt, dass der Pressebericht stimmt - denn ein Dementi war das nich t.

Kritik am Verhalten Schieracks kam am Dienstag auch aus der AfD: Deren Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland erklärte, es sei ein "absolutes Novum in der deutschen Politik: Ein Politiker, der den Wandel verspricht und nach der Wahl vor der Verantwortung fortläuft." Heute wisse man, dass jede Stimme für die CDU bei den Landtagswahlen am 14. September eine "verschenkte Stimme" gewesen sei.

Doch Michael Schierack ist nicht der einzige Cottbuser Mediziner, für den der heutige Mittwoch eine Zäsur im Lebenslauf darstellt. Mit der Ernennung des Kabinetts wird auch die bisherige Bildungsministerin Martina Münch (SPD) ihr Büro im Ministerium räumen müssen.

Und auch für den Landesvorstand der SPD, deren stellvertretende Vorsitzende Münch bislang war, wurde die Ministerin nicht mehr nominiert - womit der Sozialdemokratin nur noch ihr Mandat als Landtagsabgeordnete bleibt.

"Martina Münch hat in der Fraktion angekündigt, dass sie als Abgeordnete weiter aktiv sein wolle", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Ness am Dienstag vor Journalisten. Vor ihrer Tätigkeit als Forschungs- und später als Bildungsministerin sei die Cottbuserin bekanntlich gesundheitspolitische Sprecherin gewesen. "Ich kann mir vorstellen, dass sie sich als Ärztin wieder auf diesen Schwerpunkt konzentriert." Münch selbst war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.