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| 14:18 Uhr

Zwei Lausitzer reisen bis 2022 um die Welt

Klaus-Peter Jaschke und seine Frau Ingrid auf dem Schlauchboot, im Hintergrund ihr Segelschiff Hembadoo
Klaus-Peter Jaschke und seine Frau Ingrid auf dem Schlauchboot, im Hintergrund ihr Segelschiff Hembadoo FOTO: Klaus-Peter Jaschke
Cottbus/Afrika. Derzeit sind sie in Westafrika vor Anker. Von dort wollen die "Seevagabunden" im September den Atlantik nach Brasilien überqueren. Frank Hilbert

Klaus-Peter und Ingrid Jaschke - beide Jahrgang 1954 - haben im September 2015 ein neues Leben begonnen. Die gebürtigen Forster haben zunächst viele Jahre in Cottbus gelebt und danach 22 Jahre lang direkt am Schlabendorfer See bei Luckau gewohnt. Er war Projektleiter in einer Elektro-Firma und seine Frau Ingrid arbeitete als Materialprüferin im RAW Cottbus. "Wir haben das gesamte Grundstück mit allem Inventar und einer großen Fotovoltaik-Anlage verkauft, und wir haben uns noch nie so frei gefühlt wie heute", betont Klaus-Peter Jaschke gegenüber der RUNDSCHAU. Was er damit meint? Die beiden sind inzwischen 44 Jahre verheiratet und seit September 2015 mit ihrer "Hembadoo", einem modern ausgestatteten Schiff für Langzeitsegler, auf Weltreise. Derzeit liegen sie in Banjul im westafrikanischen Gambia vor Anker. Dank Internet war dieses Interview mit den beiden selbst ernannten "Seevagabunden" aus der Lausitz möglich.

Wie kamen Sie auf diese Idee?
Jaschke Zu DDR-Zeiten waren wir Dauercamper am Schwielochsee. Wir haben uns schon immer gern in der Natur und auf dem Wasser aufgehalten. Bis an die polnische Ostsee haben uns unsere langen Wasserwanderungen geführt. Wir haben massenhaft Bücher von Langzeitseglern gelesen und träumten davon, es ihnen gleichzutun. Die mentale und finanzielle Vorbereitung begann schon viele Jahre vor unserer Abfahrt. Wir haben auf einiges verzichtet, lösten uns von unwichtigen Dingen und konzentrierten uns auf das Wesentliche. Der schwierigste Schritt einer Weltumsegelung ist der Start: das Kündigen des Jobs, der Verkauf von Haus und Grundstück, die Verabschiedung von Familie und Freunden - bist du mal aus deinem Heimathafen raus, ist alles Weitere halb so schlimm!

Das Abenteuer auf Ihren Schiffsplanken und bei Landreisen in Südamerika und Australien soll laut bisheriger Planung bis 2022 andauern. Da fragt sich wohl jeder als erstes: Wie finanzieren sie dieses große Vorhaben? Denn immerhin benötigen Sie neben Geld für Proviant ja auch welches für Liegeplätze, Gebühren, Treibstoff, Wartung und Ersatzteile.
Jaschke Der Verkauf unseres Grundstücks hat es uns ermöglicht, ein etwas größeres Schiff zu erwerben und es nach unseren Bedürfnissen aufs Modernste auszustatten. Des Weiteren haben wir die Zeit bis zu unserer Frührente durch Verzicht in den letzten Jahren finanziert. Alles, was übrig war, wurde gespart. Der vorzeitige Ausstieg aus dem Berufsleben hat zwar Einbußen in Bezug auf Renten gebracht, aber wir wollten nicht mehr länger warten. Gesundheit und Fitness schienen uns wichtiger.

Aus dem Blog auf Ihrer Website geht hervor, dass Sie beide bereits seit 30 Jahren leidenschaftliche Segler sind. Jetzt auf den Weltmeeren unterwegs, sind Sie in besonderem Maße körperlich und nautisch gefordert. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Jaschke Wir haben zwar beide den Segelschein und das weltweite Funkzeugnis. Aber das bedeutet auf großer Fahrt gar nichts. Mit einer gewissen Vorsicht losfahren und unterwegs lernen - mit jedem Tag weiß man mehr, was man zu tun und zu lassen hat und was man wirklich braucht an Ausrüstung und Zubehör.

Ihr Schiff ist mit modernster Technik wie beispielsweise Autopilot und elektronischem Ankeralarm ausgestattet. Würden Sie kurz ein paar weitere Parameter zur Jacht nennen?
Jaschke Der Schiffstyp ist eine "Vagabount 47", eine Ketch, also ein Boot mit zwei Masten. Sie ist 14 Meter lang und 4,10 Meter breit. Das Gewicht beträgt 19 Tonnen. Wir führen 1200 Liter Diesel und 600 Liter Wasser mit. Unsere wichtigsten Geräte sind der Wassermacher - er entsalzt 100 Liter pro Stunde. Sowie der Autopilot und das automatische Identifikationssystem AIS. Wichtiger Luxus ist ein 6 kW Dieselgenerator, 600 W Fotovoltaik, 870 Ah Batterieleistung, eine Waschmaschine, ein Induktionsherd, eine Mikrowelle und meine sehr gut ausgestattete Werkstatt.

Das Schiff ist nach einer gleichnamigen Malediveninsel benannt. Wie muss man sich das Leben auf Ihrer Insel vorstellen?
Jaschke Nicht viel anders als das Leben in einem Häuschen an Land. Nur wenn wir längere Zeit unterwegs sind, bestimmt der Wach-Rhythmus mit jeweils drei Stunden Wache und frei unser Leben. Die meiste Zeit verbringen wir aber vor Anker oder in Häfen. Wir wollen ja Land und Leute kennenlernen.

Ihre Reise begann nach dem Start in der Adria mit einem Sturm, inklusive Motorschaden. Auf weiteren Etappen gingen wegen eines abgerissenen Kabels alle Kontrollanzeigen aus, sie hatten mit zerfetzten Segeln und Wasser im Boot zu kämpfen, der Außenbordmotor fürs Schlauchboot wollte nicht anspringen, der Propeller vom Bugstrahlruder hatte alle seine Flügel eingebüßt oder die Trinkwasseraufbereitungs-Anlage gab ihren Geist auf. Da muss man als Eigner in vielen Berufen zu Hause sein. Wie wird man zu so einem Multitalent?
Jaschke Es ist jedenfalls sehr hilfreich, wenn man nicht mit zwei linken Händen auf die Welt gekommen ist. Ansonsten zählt der Mut zur Tat. Ich sage immer: Nicht lange reden, sondern viel lesen und dann machen. Das heißt, man lernt bis zum Ende jeden Tag was Neues dazu.

Sie berichten von einigen brisanten Einparkmanövern in Marinas - unter anderem haarscharf neben einer 60-Fuß-Luxus-Segeljacht auf Madeira. Waren das die bislang gefährlichsten Situationen für Sie?
Jaschke Nein, bei Weitem nicht. Richtig brenzlig wurde es an der Westküste von Menorca, wo wir einen Sturm mit über 60 Knoten abbekommen haben und der Anker ausgebrochen ist. Die Felsen waren zum Greifen nah. Da bestand ernsthaft Lebensgefahr.

Apropos Lebensgefahr - auf den Philippinen haben islamistische Terroristen jetzt einen Deutschen und zuvor dessen Frau ermordet. Beide waren mit ihrem Segelboot unterwegs. Ihre Tour soll 2020 auch über die Philippinen führen. Ändern Sie jetzt die Route?
Jaschke Wir suchen unsere Route sehr sorgfältig aus, und wir meiden bekannte Risikogebiete. Auf den Philippinen gibt es ja auch sichere Gebiete sowie auch Jahreszeiten mit Hurrikan-Gefahr. Natürlich kann man nicht jedes Risiko ausschließen.

Zwei gestandene Segler wie Sie wurden plötzlich seekrank - wie kam es dazu?
Jaschke Das können wir uns bis heute auch nicht erklären.

Sie erzählen von massenhaften Schildkröten an der Wasseroberfläche, von leuchtendem Plankton und Delfinen, die daraus emporsprangen. Sie sagen, das ganze Tier hat geleuchtet. Was war das bislang schönste Erlebnis für Sie?
Jaschke Genau das, was Sie gerade beschrieben haben. Des Weiteren der Aufenthalt in unberührter Natur und der Umgang mit fremden Völkern.

Im spanischen Almerimar haben Sie mit dem Boot von Oktober 2015 bis Mai 2016 überwintert, um danach durch die Straße von Gibraltar die Reise fortzusetzen. Während dieser Zeit waren Sie auch einige Tage in Deutschland, um Verwandte zu besuchen und medizinische Vorsorge zu betreiben. Hatten Sie während Ihrer Abwesenheit und auch jetzt beim Ankern in Afrika keine Angst um Ihr Schiff?
Jaschke Bei längerer Abwesenheit parken wir das Schiff immer in einer bewachten Marina oder einem bewachten Hafen. Ansonsten versuchen wir in Buchten oder an Ufern zu ankern, die relativ geschützt und sicher sind vor Wind und Wellen. Gegen Diebstahl ist man mehr oder weniger machtlos. Es gelten dieselben Regeln wie bei Haus oder Wohnung. Wir haben diesbezüglich bisher Glück gehabt und hoffen, dass es so bleibt.

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Warum diese Winterpause?
Jaschke Auf dem westlichen Mittelmeer ist es im Winter wegen der Stürme sehr unangenehm. Außerdem haben wir die Zeit genutzt, um Reparaturen auszuführen und um Land und Leute kennenzulernen.

Wie sieht die weitere geplante Reiseroute aus?
Jaschke Von Gambia geht es über den Atlantik nach Salvador in Brasilien. Dann an der Küste weiter nach Süden bis Uruguay. Dort kommt Mitte August unsere Tochter mit unserem Enkel zu uns, und wir machen gemeinsam unseren ersten Südamerika-Ausflug.

Haben Sie Angst vor der Überquerung des Atlantiks von Westafrika nach Brasilien?
Jaschke Nein, Angst nicht. Aber Respekt vor dem Meer und der Natur sollte man immer haben. Wir segeln zu einer Jahreszeit und einen Kurs, wo keine extremen Stürme zu erwarten sind. Sorgen würden uns lang anhaltende Flauten in der Kalmenzone, die nahezu windstillen Gebiete im Bereich des Äquators, bereiten.

Ihre Tochter lebt in Deutschland, Ihr Sohn in der Schweiz. Wie sehen sie die Abenteuer-Reise ihrer Eltern und wie bleiben Sie in Kontakt?

Jaschke Nach anfänglicher Skepsis werden wir nun beneidet und sie finden es toll, was wir so machen. Sie sind auch sehr stolz auf uns. Aber sie und vor allem unsere Enkel vermissen uns auch ein wenig. Uns und besonders Ingrid geht das genauso. Aber in Zeiten des Internets kann man manche Sehnsucht überbrücken.

Gibt es schon einen Plan, wie sich Ihr Leben nach dieser Reise gestalten soll? Oder wird die "Hembadoo" dann einfach ein Hausboot?
Jaschke Wenn denn gar nichts mehr geht, könnten wir uns ein betreutes Wohnen vorstellen, Hauptsache nicht allein. Wir müssen doch bei einem Kaffee oder Gläschen Wein mit jemandem über unsere Reise reden können.

Mit Klaus-Peter Jaschke

sprach Frank Hilbert

Aktuelle und ausführliche Reiseberichte der Seevagabunden sowie weitere Informationen finden Sie auf deren Website unter der Internetadresse: www.k-jaschke.de