Auf den ersten Blick drängen sich Parallelen auf: Lüneburg hatte bis vor einem Jahr eine Fachhochschule mit 4000 und eine Universität mit 7000 Studenten. In Cottbus gibt es 5000 BTU-Studenten und zusammen mit dem Standort Senftenberg 3500 Fachhochschulstudenten. Das Geld ist knapp. Die FHL muss in diesem Jahr mit 30 000 Euro weniger auskommen, die BTU sogar eine Million Euro einsparen. Dazu kommt, dass überall die Studiengänge auf europaeinheitliche Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt werden. Bis 2010 sollen diese Studiengänge in der EU flächendeckend angeboten werden, so ein 1999 in Bologna gefasster Beschluss der europäischen Bildungsminister.

Fusion in Niedersachsen
Vor diesem Hintergrund gab es in Lüneburg die bundesweit erste Fusion einer Universität und einer Fachhochschule. Im Mai wird nach einer Übergangsfrist mit personeller Doppelspitze dort ein neuer Präsident die Führung übernehmen. „Natürlich geht es auch ums Geld. Langfristig werden Einsparungen durch den Zusammenschluss erwartet“ , sagt Pressesprecher Henning Züllsdorff. Doch er sieht auch fachliche Vorteile der Hochschulfusion: Ein breiteres wissenschaftliches Spektrum, Bündelung der unterschiedlichen Fachkompetenzen von Fachhochschul- und Universitätsprofessoren, bessere Forschungsmöglichkeiten und einen Reformschub insgesamt.
In der Lausitz, wo in den vergangenen Jahren immer wieder mal Diskussionen über eine Fusion von FHL und BTU aufflammten, sieht man indes gelassen nach Lüneburg. Dieser Zusammenschluss sei nicht „von unten“ gekommen, sondern politisch gewollt. Außerdem habe Niedersachsen eine insgesamt viel üppigere Hochschullandschaft, weist Professor Inken Baller, Vizepräsidentin der BTU, den Gedanken einer Nachahmung in der Lausitz zurück.

Abstimmung und Eigenständigkeit
Brigitte Klotz, die zum Jahresende aus dem Amt scheidende FHL-Präsidentin, sieht das nicht anders: „Es muss dort erst noch der Beweis angetreten werden, dass es in Lüneburg langfristig wirklich klappt.“ Die Lausitz müsse außerdem aufpassen, nicht für alles in den neuen Bundesländern zum „Modellfall“ zu werden. Klotz lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass ihrer Überzeugung nach BTU und FHL über eine Verwaltungskooperation hinaus auch in der Lehre enger zusammenrücken müssen, gerade auch im Hinblick auf die Einführung der neuen Studienabschlüsse. Ressentiments zwischen Uni- und Fachhochschulprofessoren könne sich die Region nicht leisten.
Klotz wünscht sich die gemeinsame Entwicklung neuer Studienangebote beider Bildungseinrichtungen, den Austausch von Professoren für Vorlesungen. Für die neuen Abschlüsse Bachelor und Master müssten Studenten zwischen FHL und BTU wechseln können. Das alles sei auch ohne Fusion möglich.
Bei Professor Eberhard Schaller, Vorsitzender des BTU-Senates, treffen solche Ideen auf offene Ohren. Die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse müsse als Chance begriffen und ausgelotet werden. Bisherige Abstimmungen und Kooperationen in der Lehre seien den persönlichen Kontakten zwischen Fachbereichen an BTU und FHL zu verdanken. Das reiche nicht aus. Ein Konzept müsse erstellt werden, wie beide Hochschuleinrichtungen durch Kooperation profitieren könnten. BTU und FHL müssten deshalb für eine Bestandsaufnahme an einen Tisch. Dann müssten strategische Absprachen folgen. „Ob das irgendwann mal in einer Fusion endet, spielt keine Rolle“ , sagt Schaller.
Für ihn steht fest, dass sich mit dem Bachelor als erstem Berufsabschluss auch die Studienangebote an der BTU inhaltlich verändern. „Da kommt man sich mit der Fachhochschule näher.“ Durch vernünftige Zusammenarbeit, so Schaller, würden außerdem Mittel frei, um die jeweils eigenen Stärken beider Einrichtungen voranzutreiben. Sein Ziel einer Kooperation: Lösungen, die beiden nutzen.
Für FHL-Präsidentin Brigitte Klotz gibt es noch einen weiteren Grund, mit der BTU enger zusammenzurücken. „Nicht nur Bologna treibt uns voran, auch die Demographie.“ 70 Prozent der Fachhochschulstudenten und 60 Prozent der Unistudenten kämen aus der Region. In der Lausitz und im Elbe-Elster-Land sei jedoch in einigen Jahren durch geburtenschwache Jahrgänge mit bis zu 40 Prozent weniger Abiturienten zu rechnen. Mehr Werbung für den Studienstandort Lausitz sei deshalb notwendig.

Neue Entwicklungsplanung
Die BTU steht außerdem vor der Herausforderung, ihre finanzielle Situation zu verbessern. Bei der in der Brandenburger Hochschullandschaft gültigen Mittelverteilung nach Kriterien wie Einhaltung der Regelstudienzeit, Drittmittel, Promotion und Frauenanteil hat die Cottbuser Uni schlecht abgeschnitten (die RUNDSCHAU berichtete). Wenn sie künftig mehr vom Hochschulbudget des Landes abhaben will, muss die Zahl der Studienanfänger steigen und die Zahl derer, die in der Regelzeit ihren Abschluss schaffen. In diesem Jahr endet außerdem der derzeitige Hochschulentwicklungsplan der BTU Cottbus. Deshalb muss sich die Uni ohnehin Gedanken machen, wo ihre Entwicklung in den kommenden fünf bis sechs Jahren hingehen soll.

Hintergrund Bachelor- und Master-Studiengänge
  Bis 2010 werden europaweit die bisherigen Diplom- und Magisterstudiengänge auf das zweistufige Bachelor- und Master-System umgestellt. Ausgenommen sind Human-, Zahn- und Veterinärmedizin, Pharmazie und Jura, die weiterhin mit einem Staatsexamen abschließen.
Der nach sechs bis acht Semestern erreichte Bachelor ist der erste berufsqualifizierende Abschluss. Ein zwei- bis viersemestriger Masterstudiengang kann angeschlossen werden.
Das Studium setzt sich aus Modulen zusammen. Zur Bewertung gibt es Leistungspunkte.
An der BTU Cottbus sind inzwischen gut ein Drittel der Studenten in Bachelor- und Master-Studiengängen immatrikuliert. An der FHL haben sich rund 800 Studenten in den neuen Ausbildungsgängen eingeschrieben.