Heute dagegen ist der in Berlin Lebende stolz auf seinen Vater und würde gern mit einer Stiftung sein Erbe bewahren.
Frank Frohberg ist reich: aber nur an alten Radios, Tonbandgeräten und Schallplattenspielern. Hunderte hat er in den letzten Jahren zusammen getragen. Einfach so für sich. Als Ablenkung vom Alltag ohne festen Job und mit der trüben Aussicht auf Hartz IV. Und wenn die Sorgen zu sehr aufs Gemüt drücken, legt Frank Frohberg eine Schallplatte seines Vaters auf. Während er "Zwei gute Freunde", "Einsam liegt ein Schiff im Hafen" oder "Steuermann, halte Kurs" singt, erinnert sich der Sohn an alte Zeiten in Leipzig. An gute Zeiten: "Mein Vater nahm mich schon als Kind zu Studioaufnahmen mit. Da saß ich sogar auf dem Schoß von Stars wie Bibi Johns oder Mona Baptiste." An schlechte Zeiten: "In der Schule hänselten und verprügelten mich Mitschüler, weil mein Vater erfolgreich war." In den Fünfzigern konnte jeder Schlagerfan seinen Gassenhauer "Zwei gute Freunde" auf der Straße nachpfeifen.
Damals interessierte sich Frohberg junior aber eher für die Studio- und Aufnahmetechnik als für die Unterhaltungsmusik seines Vaters. "Früher dachte ich, dass hinter der Rückwand des Radios ein ganzes Orchester sitzt. Als ich dann aber nur Röhren sah, war ich zwar enttäuscht, doch faszinierten die mich auch", denkt er lachend zurück. Der studierte Chemiker vertiefte sich hobbymäßig so in die Rund funk- und Schallplattentechnik, dass er sie noch heute beherrscht, wertmäßig einschätzen und vor allem auch reparieren kann. "Selbst aussichtslos erscheinende Fälle", bemerkt er bescheiden. Ein Geschäft macht er daraus nicht. Das hat er von seinem Vater, der zwar über 40 Jahre ein erfolgreicher und lebensfroher Künstler, doch ein eher schlechter Kaufmann war.
So erbte nach seinem Tod im Juni 2000 der Sohn vor allem Dinge, die schwer mit Geld aufzuwiegen sind: Tausende Fotos, Schallplatten, Notenblätter, Auftrittsgarderoben, Musikinstrumente. Auf Flohmärkten konnte er noch so manch eine Schellack-Platte ausfindig machen und kaufen, auf der einmal sein Vater sang.
Während sich der Wahl-Berliner in seiner Wohnung mit Möbeln, Geschirr und anderen Alltagsgegenständen vom Vater umgibt, schlummern die musikalischen Devotionalien in einem unscheinbaren Lager vor den Toren der Stadt. "Ich möchte unbedingt die Erinnerung an den populären Musiker, der über 1000 Titel sang, wach halten. Deshalb träume ich von einer Stiftung. Sie soll sich um den Nachlass kümmern und ihn pflegen", hofft Frank Frohberg. Er selbst kann nicht einen Euro ins Stiftungskapital einbringen. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf. "Das bin ich meinem Vater schuldig. Schließlich waren und sind wir zwei gute Freunde. Auch über den Tod hinaus", spielt er auf den größten Hit von Fred Frohberg an.