Dieter Rübling galt als zuverlässig und engagiert. Der 65-Jährige aus Baden-Württemberg war zum dritten Mal für die Welthungerhilfe in Afghanistan, diesmal sollte sein Einsatz drei Monate dauern. Nach nur zwei Wochen fand sein Engagement ein tödliches Ende. Der Bundestag, der gestern den Tornado-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan mit breiter Mehrheit beschloss, zeigte sich tief erschüttert.
Am Donnerstag war Rübling mit einheimischen Ingenieuren unterwegs, um Baustellen zu besichtigen. Die Welthungerhilfe baut in Afghanistan Schulen, Brücken und Krankenhäuser wieder auf. Gegen 12.30 Uhr deutscher Zeit, berichtete in Berlin Renate Becker von der Welthungerhilfe, sei der aus zwei Fahrzeuge bestehende Konvoi Rüblings von zwei bewaffneten Männern angehalten worden. Die lokalen Mitarbeiter wurden beschimpft und weggeschickt, dann fielen Schüsse. Als die Ingenieure zurück zum Fahrzeug kamen, lag Rübling tot am Boden. "Wir sind entsetzt über diesen Angriff", beschrieb Generalsekretär Hans-Joachim Preuß seine Gefühlslage.
Im Parlament ergriff zu Beginn der Debatte um den Tornado-Einsatz Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) das Wort. Unter Applaus der Abgeordneten dankte die sichtlich bewegte Ministerin dem Verstorbenen für sein "zutiefst humanitäres Engagement" beim Wiederaufbau des Landes. Dafür gebührten ihm Hochachtung und Respekt. Sein Tod zeige, wie gefährlich die Arbeit der Aufbauhelfer sei.
Die Lage am Hindukusch ist brisant. Viele Abgeordnete hatten deshalb massive Bauchschmerzen bei ihrer Zustimmung zur Tornado-Mission. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in etwas hineinrutschen, was wir nicht mehr beherrschen können", mahnte der FDP-Verteidigungsexperte Werner Hoyer in der sehr emotionalen Debatte zur Vorsicht. Die sechs bis acht Flugzeuge sollen nun in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif stationiert werden; von Mitte April an kommen sie dann insbesondere im umkämpften Süden des Landes zu Aufklärungszwecken zum Einsatz. Die Kritiker im Bundestag befürchteten, dass Deutschland durch den Einsatz in den US-geführten Anti-Terror-Kampf hineingezogen werde - und weitere militärische Anforderungen nur eine Frage der Zeit seien. Das Abstimmungsergebnis spiegelte diese Angst wider: Rund ein Drittel der SPD-Fraktion votierte gegen den Einsatz, fünf Nein-Stimmen kamen aus der Union, ne un aus der FDP. Bei den Grünen gab es 21 Ablehnungen, die Linksfraktion stimmte geschlossen gegen den Einsatz. Außerdem reichten die beiden Unions-Abgeordneten Peter Gauweiler (CSU) und Willy Wimmer (CDU) nach dem Bundestagsbeschluss Klage beim Bundesverfassungsgericht ein, um die Entsendung der Tornados zu verhindern.
Für die Linke warnte Fraktionschef Oskar Lafontaine, mit dem Einsatz erhöhe sich die Terrorgefahr in Deutschland. Die Grünen gaben ein gespaltenes Votum ab. Fraktionschefin Renate Künast betonte: "Wir ringen um uns selber." Die Befürworter des Einsatzes sagten, durch die präzisen Aufklärungsfähigkeiten der Flugzeuge würden ausländische Soldaten und die Zivilbevölkerung bei Angriffen besser geschützt. Die Gegner hoben hervor, dass die bisherige militärische Strategie gescheitert sei. Jetzt komme es vor allem auf den zivilen Wiederaufbau an.