Konstantin Wecker wollte mit seinem Konzert gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit auch in Hoyerswerda auftreten. Schließlich haftet der Stadt im Ostsächsischen seit den Krawallen und Gewalttaten im September 1991 vor Asylbewerberheimen der Ruf an, besonders ausländerfeindlich zu sein. „Wir haben erst gar keine Zusage bekommen“ , erklärte Liedermacher Wecker in einem Interview mit tagesschau.de. Es gebe keinen Rechtsradikalismus und die Stadt habe schon alle Nazis verjagt, sei als Begründung angegeben worden, sagte Wecker.

Unpassendes Motto
Uwe Proksch, Geschäftsführer des Vereins KulturFabrik in Hoyerswerda, bestreitet diese Darstellung, verteidigt aber die Entscheidung. „Wir wissen, wie der Rest von Deutschland und speziell die Medien seit Jahren undifferenziert mit diesem Thema in unserer Stadt umgehen“ , erklärte Proksch gegenüber der RUNDSCHAU. Bewusst werde ignoriert, was verschiedene Partner gegen rechte Tendenzen gelei stet haben, behauptet der Vereins-Geschäftsführer. Im Falle eines Konzerts hätte es rechte Aufmärsche geben können. „Dann hätte doch sofort wieder jeder gesagt: Seht, die haben's nötig“ , so die Vermutung von Proksch. „Wir hatten keine Lust, Hoyerswerda wiederholt diesem nichts sagenden primitiven Stigma auszusetzen“ , heißt es in einer Stellungnahme, die Konstantin Wecker übermittelt wurde und die Proksch gegenüber der RUNDSCHAU bekräftigte.
Angela Schäfer, amtierende Pressesprecherin der Stadt Hoyerswerda, erklärte, dass die Stadt „mit der Absage des Konzerts nichts zu tun hat“ . Es habe keine Konsultationen mit Kommunalpolitikern gegeben, da der Konzertwunsch an den Verein herangetragen wurde und der „bei anderen Veranstaltungen auch niemand frage“ , sagte Schäfer, die wie andere städtische Angestellte allerdings in der KulturFabrik ehrenamtlich mitarbeitet. Proksch wie Schäfer heben hervor, dass „Verein und Stadt großes Interesse an einem Konstantin-Wecker-Konzert“ gehabt hätten. Geschäftsführer Proksch sieht den Hauptgrund dafür, dass Weckers Tour „Nazis raus aus dieser Stadt“ in Hoyerswerda nicht Station machen kann, in einer „unnachgiebigen Haltung des Managements“ des Liedermachers. Für den Verein sei das Motto des Konzerts „nicht klug und zeitgemäߓ gewählt. Damit würden Probleme nicht gelöst, nur verdrängt. „Das heißt doch, Nazis sollen in die Nachbarorte abgeschoben werden, nach Lauta, Bernsdorf oder anderswohin“ , moniert Proksch. Man habe deshalb vorgeschlagen, den Slogan in „Nazis raus aus den Köpfen“ zu ändern. „Rechtes Gedankengut gibt es wie in anderen Städten auch bei Bewohnern von Hoyerswerda. Es aus deren Köpfen zu vertreiben, ist entscheidend“ , argumentierte der Verein im Vorfeld. „Wochenlange Gespräche mit dem Management führten aber zu keiner Lösung“ , stellt Uwe Proksch fest. Der Verein bedaure es zutiefst, dass Wecker „aufgrund einer Formulierungsfrage“ nicht nach Hoyerswerda komme. Man hätte ihn gern vor Ort gehabt, um gemeinsam über die Problematik von Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit zu diskutieren. Vom Management des Liedermachers erhielt die RUNDSCHAU auf eine schriftliche Anfrage zu dem Streit keine Antwort.

Kritik an Absage
Unterdessen wird scharf kritisiert, dass der Landkreis auf Druck der NPD ein Anti-Nazi-Konzert in Halberstadt absagte. "Den Drohungen rechtsextremer Kräfte darf nicht nachgeben werden", sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU). Der Zentralrat der Juden in Deutschland sprach von einer Bankrotterklärung der Politik vor der NPD. Für den Leiter der Projektgruppe Rechtsextremismus des SPD-Bundesvorstandes, Niels Annen, handelt es sich um einen doppelten Skandal. "Zum einen droht die NPD ganz offen demokratischen Gruppen mit Gewalt und zum anderen ist sie damit auch noch erfolgreich." Das Verhalten von Landrat Henning Rühe (parteilos) sei unaktzeptabel. Dieser verteidigte die Absage. "Ich würde die Entscheidung wieder so treffen", sagte Rühe.