An seinem ersten Arbeitstag kommt Karsten Mühlenfeld zu spät. Erst einige Minuten nach Beginn der Sitzung des Sonderausschusses BER nimmt der neue Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg am Konferenztisch Platz. "Ich glaube nicht, dass Sie der Sonderausschuss schon heute quälen möchte", sagt die Ausschussvorsizende Jutta Lieske (SPD). Mühlenfeld, ein schlanker, unauffällig wirkender Zeitgenosse im schwarzen Anzug, lächelt gequält.

Ohne großes Aufsehen, stellt er sich den Abgeordneten vor. 20 Jahre habe er bei Rolls-Royce gearbeitet, dann bei Bombardier, um "jetzt hier beim Flughafen aufzuschlagen". Seine wichtigste Aufgabe sei es, "den Flughafen ans Netz zu bringen und Tegel und Schönefeld-Alt weiter zu betreiben - und so zu betreiben, dass sie funktionieren".

Überraschungen hat Mühlenfeld nicht im Gepäck, Provokationen auch nicht. Während sein Vorgänger Hartmut Mehdorn bei seinem ersten Auftritt vor dem Ausschuss über einen Weiterbetrieb von Tegel spekulierte, und danach in fast jeder Sitzung des Sonderausschusses pointierte Positionen von sich gab, die anschließend um die Welt gingen, besteht diese Gefahr bei Mühlenfeld ganz offenkundig nicht. Er hoffe auf eine konstruktive, kritische Zusammenarbeit mit dem Ausschuss, sagt der neue Flughafenchef.

Was das heißt? Als Mühlenfeld mit seiner kurzen Rede fertig ist, geht der Cottbuser Landtagsabgeordnete Matthias Loehr (Linke) nach vorne und überreicht ihm ein Modellflugzeug der Lufthansa. Anschließend lehnt sich Mühlenfeld auf seinem Platz zwischen dem Flughafenkoordinator der Landesregierung, Rainer Bretschneider, und der Finanzchefin des Flughafens, Heike Fölster, zurück. Er hört zu, liest Unterlagen. Ist er überhaupt noch anwesend? Die raumfüllende Persönlichkeit eines Hartmut Mehdorn zumindest ist im BER-Ausschuss Geschichte.

Für mehr Aufmerksamkeit sorgen da Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Finanzminister Christian Görke (Linke). Beide sprechen über die 1,1 Milliarden Euro Kapitalbedarf, die am vorigen Freitag im Aufsichtsrat angemeldet worden waren. Rund 400 Millionen davon würde das Land Brandenburg aufbringen müssen. "Es gibt bei allen Beteiligten den Willen, dieses Projekt zum Erfolg zu bringen", sagt Woidke in bester BER-Lyrik.

Der SPD-Politiker zeigt sich überzeugt davon, dass das im Herbst noch von Mehdorn vorgelegte "Terminband" gehalten werden könne. Die ersten "Wegmarken" seien erreicht. Aber der Ministerpräsident sagt auch: "Ein Aufsichtsrat ist der Gesellschaft verpflichtet - und wir dem Land."

Görke betont, dass alle weiteren Zuschüsse natürlich unter dem Vorbehalt entsprechender Haushaltsbeschlüsse und der europarechtlichen Unbedenklichkeit stünden. "Unser Ziel bleibt eine haushaltschonende Variante", sagt Görke. Das Land habe Vorsorge getroffen. "Und wir werden sicherstellen, dass diese Finanzierung nicht zulasten anderer, prioritärer Politikbereiche führt."

In der Vergangenheit klang das noch anders: Da hatte Görke weitere Steuergelder für den BER ausgeschlossen. Noch vor einem Jahr hatte der Finanzminister zunächst eine genaue Kostenprognose verlangt, bevor die 1,1 Milliarden Euro freigegeben werden könnten. Zudem hätte der Flughafen weitere Zuschüsse zunächst über Kredite selbst finanzieren sollen, sagte Görke damals.

Zurückhaltend bleibt der Flughafenkoordinator der Landesregierung, Rainer Bretschneider: Er verweist darauf, dass bei den Bauarbeiten "große Sprünge zur Zeit nicht zu verzeichnen" seien. Allerdings habe sich die Zahl der Bauarbeiter auf der Flughafenbaustelle deutlich erhöht.

Und dann wird es wieder lyrisch: "Jetzt ist die Zeit der soliden Arbeiten und kleinen Schritte, Step-by-Step und fehlerfrei", sagte Bretschneider. "Ich habe genug von irrealen Wünsch-Dir-Was-Geschichten im Zusammenhang mit dem BER."